Konzert in Hamburg

Diana Krall im CCH – solo war sie am besten

Wenn Sängerpianistin Diana Krall ganz allein ihren Gesang am Piano begleitet, dann ist die Musikerin ganz bei sich.

Hamburg.  Musiker wie Nat King Cole haben Popmusik gemacht, die unter der Oberfläche des Anstands den Aufstand barg, statt lediglich Jazz-Standards hervorzukramen, die früher einmal Standards setzten. Letztere wiederum sind das Parkett, auf dem sich die Sängerpianistin Diana Krall seit zwei Dekaden erfolgreich bewegt. So kündigte sie am Montag im CCH „On The Sunny Side Of The Street“ als Song über „die Sonne“ an. Tatsächlich aber ist in Jimmy McHughs/Dorothy Fields’ metaphorischem Song von 1930 „die sonnige Seite der Straße“ diejenige, auf der der Afro-Amerikaner unbehelligt vom weißen Rassismus entlanggehen kann.

Nun hat der Jazz sich mittels des Alten immer wieder runderneuert. Jazztechnisch betrachtet aber ist Diana Krall keine innovative, nicht mal eine besonders gute Pianistin – da wird viel über die Tastentheke gewischt anstelle tief ins Glas zu schauen, Erbe ihrer Pianistenjahre in Bars, in denen Emoticons statt Emotionen gefragt sind. Wenn die Kanadierin dann aber ganz allein auf der Bühne ist, ohne „Schlach(t)zeuger“ und Bollerbassisten, ohne den Gitarristen Anthony Wilson, der musikalisch und solistisch die gesamte Band in die Tasche steckt, ohne schummerorgeligen Hintergrund-Sound, ohne Geiger Stuart Duncan, der gelegentlicher solistischer Qualitäten zum Trotz als Begleiter nervtötend wie ein lästiger Moskito agiert: Wenn Diana Krall also ganz allein ihren Gesang am Piano begleitet, dann ist sie bei sich.

Ob in Jazz-Standards wie „Let’s Face The Music And Dance“ oder Popsongs wie Joni Mitchells „A Case Of You“. Und wenn sie dann mit Band in Tom Waits’ „Temptation“ am E-Piano mal kurz auspackt, dann wird sie sogar authentisch in dem, was sie spielt ­und nicht nur den hohen Verkaufszahlen nach ist: eine gute Pop-Pianisten-Sängerin.