Kino

Asiens neues Kino beim Filmfest Hamburg

Eine Szene aus dem Liebesfilm „Right
Now, Wrong Then“

Eine Szene aus dem Liebesfilm „Right Now, Wrong Then“

Foto: Filmfest Hamburg / HA

Dramen und eine Liebesgeschichte aus Südkorea und von den Philippinen überzeugen beim Filmfest Hamburg.

Hamburg.  Das asiatische Kino hat sich in den vergangenen Jahrzehnten international immer stärker profiliert. Seine mal realistische, mal magische Erzählweise entfaltet jenseits von technisch perfekten Blockbustern außerordentliche Kraft. Kein Wunder also, dass das Filmfest Hamburg die etablierte Reihe „Asia Express“ um eine Serie mit Filmen des unabhängigen chinesischen Kinos ergänzt hat, darunter drei Dokumentationen. Zudem offenbaren in diesem Jahr erneut Filme aus Südkorea ihre kunstvollen Erzählweisen.

In „In Her Place“ verwebt der in Kanada als Sohn koreanischer Einwanderer aufgewachsene Regisseur Albert Shin drei Frauenleben und eine tragisch scheiternde Adoption miteinander. Eine minderjährige Frau wird schwanger, ihre Mutter beschließt, das Kind einer kinderlosen Großstädterin zu überlassen. Diese reist an, um die Schwangerschaft aus nächster Nähe mitzuerleben. Auf dem Hof von Mutter und Tochter entwickeln sich die Dinge anfangs zögerlich, dann aber umso mächtiger: Der Kontrollwahn der angehenden Adoptivmutter wird deutlich, die Verzweiflung des jungen Teenagers, die Korrumpierung der Mutter. Leise lässt Shin die Hoffnung in eine Tragik kippen, die letztlich auf die Enge der Konventionen zurückzuführen ist.

Eine schöne Liebesgeschichte erzählt dagegen Hong Sang-soo in seinem bereits mit dem Goldenen Leoparden beim Festival in Locarno bedachten Film „Right Now, Wrong Then“. Er schildert die Begegnung des flatterhaften, dabei verheirateten Kunstfilmers Ham Chun-su und der jungen Künstlerin Hee-jung auf zwei verschiedene Weisen. Einmal verschweigt der Regisseur der jungen Frau seine Verhältnisse, einmal erfährt sie zu Beginn davon – mit höchst unterschiedlichem Ergebnis. Ein exakt gespieltes, schönes Gedankenexperiment darüber, wie leicht auch das Drehbuch des Lebens eine andere Wendung nehmen kann, wenn man ein paar Buchstaben ändert.

Mit koreanischer Subtilität hat der philippinische Theater- und Drehbuchautor Jun Robles Lana wenig im Sinn. Sein neuer Film „Shadow Behind The Moon“ ist einer der stärksten Beiträge. In einem einzigen Take in körnigen Schwarz-Weiß-Bildern gedreht, beleuchtet der Film das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen einem Paar und einem Regierungssoldaten. Sowohl die Freundschaft der Männer als auch die Beziehung beider zur Frau entpuppen sich als ganz anders, als anfangs gedacht. Es entwickelt sich ein psychologisch genaues Kammerspiel um Macht, Liebe und Verrat. Für einen tollen Film braucht es manchmal eben nicht mehr als eine gute Geschichte und Darsteller, die auf die Poesie des Mediums Film vertrauen. Und seien die Mittel noch so einfach.

„In her Place“ 7.10., 19.00, Cinemaxx 2, 10.10., 17.00, Metropolis, „Right Now, Wrong Then“ 7.10., 22.15, Cinemaxx 8, 10.10., 21.00, Studio, „Shadow Behind The Moon“ 9.10., 22.00 Cinemaxx 2; Karten zu 9 Euro unter www.filmfesthamburg.de