Hamburg

Das Hafenmuseum hätte erhebliche Folgekosten

Börries von Notz, Alleinvorstand  der Stiftung  Historische Museen Hamburg

Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg

Foto: Roland Magunia / HA

Börries von Notz,Chef der Historischen Museen, hält das Großprojekt für wünschenswert – aber nur wenn Rahmenbedingungen stimmen.

Hamburg. Das Hafenmuseum, um dessen mögliche Entwicklung es in einem von Dietrich Wersich und weiteren CDU-Bürgerschaftsabgeordneten am Montag eingereichten Antrag geht, gehört zur Stiftung Historische Museen Hamburg. Deren Alleinvorstand, Börries von Notz, findet es grundsätzlich gut, dass sich Bürgerschaft und Senat nun vor dem Hintergrund der Olympiabewerbung mit dem Thema beschäftigen werden. Wersich und seine Kollegen hatten gefordert, die Realisierung eines Deutschen Hafenmuseums in die Planungen der Olympia-Bewerbung aufzunehmen.

„In musealer Hinsicht gibt es in Hamburg noch zwei blinde Flecken, einerseits fehlt ein Naturkundemuseum für die herausragenden Sammlungen der Universität. Und außerdem ein Hafenmuseum, welches diesen Namen auch wirklich verdient“, sagte der Museumschef im Abendblatt-Gespräch. Bei dem jetzigen „Hafenmuseum Hamburg“ im 50er-Schuppen handele es sich eher um einen „Hafenerlebnisort als um ein Museum im eigentlichen Sinn“. Von Notz gab zu bedenken, dass es bei dem Projekt eines großen Hafenmuseums nicht allein um die Investitionskosten gehe, die mit 60 Millionen Euro zudem eher konservativ berechnet seien. Hinzu kämen jährliche Betriebskosten von 3,5 bis fünf Millionen Euro.

Außerdem sei die Standortfrage keineswegs automatisch beantwortet, auch wenn die 50er-Schuppen ein herausragender historischer Ort seien. Im täglichen Betrieb habe die Stiftung festgestellt, dass sich dieser Ort für Events gut eigne. Dafür seien Besucher auch bereit, längere Wegstrecken auf sich zu nehmen. „Für den Normalbetrieb, der auch an einem verregneten Dienstagvormittag im Februar funktioniert, müsste der Standort sehr viel besser erreichbar sein“, sagt von Notz. Die bisherigen Verkehrsplanungen für Olympia sähen jedoch keine S- oder U-Bahn-Anbindung vor.

Trotzdem hält er die 50er-Schuppen auf der Veddel in ihrer kulturellen Nutzung für absolut erhaltenswert. „Daraus folgt jedoch nicht zwangsläufig, dass hier auch ein neues Hafenmuseum erbaut werden muss, auch wenn das auf den ersten Blick naheliegend scheint“, sagt von Notz. Wenn man sich diesem Thema ernsthaft annähern wolle, müsse es auch um eine spektakuläre Architektur gehen, die die Bedeutung des Hamburger Hafens für die Stadt, die Region und für Deutschland repräsentiert. Das wäre auch mit den 50er-Schuppen möglich, nur müssten diese dann eben verkehrstechnisch sehr viel besser erreichbar sein, etwa mit einer eigenen U-Bahn-Station.

Die Bezeichnung „Deutsches Hafenmuseum“ – wie von Wersich angeregt – hält von Notz aufgrund der nationalen Bedeutung des Hamburger Hafens für gerechtfertigt. Allerdings müssten dort neben der Wirtschaftsgeschichte auch Themen wie Globalisierung und Digitalisierung dargestellt werden. Aus Sicht der Stiftung wäre die Realisierung eines solchen Projekts wünschenswert. „Ich werbe dafür, agiere aber selbstverständlich nicht politisch. Die Kulturbehörde hat einen Prozess zum Olympia-Kulturprogramm angestoßen, der ja noch nicht abgeschlossen ist“, sagt von Notz, der zugleich eines klarstellt: „Eine Schließung des jetzigen Hafenmuseums während der Olympischen Spiele wäre für die Historischen Museen ein unerträglicher Gedanke.“

Hafenmuseum Hamburg, Australiastraße, S-Bahn Veddel, Di – So 10.00 – 18.00