Komödie Winterhude

Deutsche Erstaufführung von „Die Studentin und Monsieur Henri“

Angenähert: Henri (Michael Altmann), Constance (Wanda Perdelwitz)

Foto: Joachim Hiltmann

Angenähert: Henri (Michael Altmann), Constance (Wanda Perdelwitz) Foto: Joachim Hiltmann

Yvan Calbéracs Komödie ist ein heiteres und zugleich anrührendes Generationenstück. Getragen von einem wunderbaren Ensemble.

Hamburg.  Ja, die Türen, sie knallen. Und das öfter. Gleich zweimal schlägt Henri (Michael Altmann) die Tür seiner Wohnung Studentin Constance (Wanda Perdelwitz) vor der Nase zu. Wer sich in einer klassischen Boulevardkomödie wähnt, in der permanent sechs bis sieben Türen auf- und zugehen, sieht sich getäuscht. Klipp-Klapp-Humor aus Frankreich klingt anders und sieht auch anders aus.

Eine Pariser Altbauwohnung: „Die Studentin und Monsieur Henri“ begegnen sich zum ersten Mal. Constance ist bei der Zimmersuche ausgerechnet an einen misanthropischen Witwer („Ein Kadaver, der duftet nicht nach Rosen“) geraten. Er will gar nicht vermieten, ist aber von seinem Sohn dazu gezwungen worden, weil der Sorge hat, dass der Alte seine Medikamente nicht nimmt und umfällt. Henri willigt nur ein, weil er hofft, dass die kesse Constance seinem Sohn den Kopf verdreht und er so die ungeliebte Schwiegertochter loswird.

Yvan Calbéracs Komödie, die 2013 in Frankreich mehrfach ausgezeichnet wurde und im Winterhuder Fährhaus seine deutschsprachige Erstaufführung (Übersetzung: Horst Leonhard) erlebte, ist ein heiteres und zugleich anrührendes Generationenstück. Getragen von einem wunderbaren Ensemble.

Allen voran von den Hauptdarstellern. Wanda Perdelwitz („Großstadtrevier“) überzeugt bei ihrer Hamburger Bühnenpremiere mit enormer Wandlungsfähigkeit, unaufdringlicher Präsenz und professioneller Präzision. Da reicht schon eine andere Mütze, eine leicht veränderte Frisur oder ein anderes Kleidchen, um ihr als Zuschauer – ob nun etwas jünger oder reifer – in der Rolle der 21-jährigen Constance bedingungslos zu folgen. Demgegenüber muss Michael Altmann als grober Griesgram, der sogar zum ungeliebten Familienessen am Sonntag im abgewetzten Morgenmantel erscheint, optisch verblassen. Indes versteht es der Ex-Thalia-Schauspieler glänzend, dem Henri sympathisch-gerissene Züge zu verleihen, bis er Constance ein erstes Kompliment für ihr Klavierspiel macht und sie ermuntert, ihr erfolgloses Studium (Maschinenbau!) aufzugeben.

Doch ihr Duell hätte zu wenig Brisanz, wenn nicht der Vater-Sohn-Konflikt hineinspielte. Henris Filius Paul gibt Marcus Ganser als verklemmter, staubtrockener Steuerberater mit am Ende ungeahnter Potenz. Und Mackie Heilmann fällt als dessen dralle Gattin Valerie, bewaffnet mit Weinflaschen und einem Crumble, nicht nur sprichwörtlich mit der Tür ins Haus; sie nervt gefällig-gekonnt auf ganzer Linie – zwischen nur drei Türen.

Ironie am Rande: Auf der Premierenfeier verriet Regie-Altmeister Jürgen Wölffer, dass zunächst sein Sohn Martin das Stück angeboten bekam – und es dann dem Vater überließ.

„Die Studentin und Monsieur Henri“ bis 13.9., Winterhuder Fährhaus, Karten unter T. 48 06 80 80

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