Fusion

Entsteht bald eine neue Medienmacht?

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Alexander Josefowicz
Verlegerin Friede Springer und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE

Verlegerin Friede Springer und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE

Foto: picture alliance

Laut Insiderberichten sollen Axel Springer und ProSiebenSat.1 über eine mögliche Fusion verhandeln. Es wäre der zweite Versuch.

Hamburg.  Es wäre ein wahrhaft aufsehenerregender Deal, der die Medienlandschaft Deutschlands nachhaltig beeinflussen würde: Axel Springer und ProSiebenSat.1 Media sondieren nach Angaben von Insidern eine Fusion. Und ein Dementi dieser Gespräche bleibt, nachdem das „Wall Street Journal“ in der Nacht von Montag auf Dienstag erstmals über die Pläne berichtete, aus: Zwar stellt Springer („Bild“, „Die Welt“) in einer Unternehmensmitteilung fest, dass man sich zu „Marktspekulationen“ grundsätzlich nicht äußern würde und Verlegerin Friede Springer nicht gewillt sei, die Kontrolle über den Verlag abzugeben. Doch dem Vorgang an sich widersprechen die Berliner nicht. Auch die Münchner scheinen nicht gewillt, ein klares Nein auszusprechen: Vielmehr verdichten sich die Hinweise darauf, dass Gespräche über eine Fusion der Unternehmen, deren jeweiliger Jahresumsatz bei gut drei Milliarden Euro liegt, zwar noch am Anfang stehen, aber tatsächlich stattfinden.

Es wäre der zweite Versuch zu fusionieren: Bereits 2005 versuchte Springer, die Sendergruppe zu übernehmen: Das Geschäft scheiterte sowohl am Bundeskartellamt als auch an der Kommission für die Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Alle kamen zu dem Schluss, dass die Übernahme nicht genehmigungsfähig sei. In der Folge zieht sich das Verlagshaus, das zu diesem Zeitpunkt noch gut zwölf Prozent der Anteile an der TV-Gruppe hält, vollständig aus dem Münchner Unternehmen zurück und legt Rechtsmittel gegen die ausgebliebenen Genehmigungen ein.

Die Entscheidung des Bundeskartellamts, durch die Fusion wäre ein bereits bestehendes Oligopol im Fernsehwerbemarkt noch verstärkt worden, bestätigte der Bundesgerichtshof vor fünf Jahren. Die von Springer vorgebrachte Beschwerde gegenüber KEK und BLM hingegen wurde vom Bundesverwaltungsgericht 2014 bestätigt: Die medienrechtliche Unbedenklichkeit wäre gegeben gewesen, die Zustimmung zur Übernahme hätte nicht verweigert werden dürfen.

Wie Behörden und Organe urteilen werden, sollten sich beide Parteien erneut über einen Zusammenschluss einigen, ist unklar. Einfacher dürfte eine Fusion allerdings nicht werden: Zwar hat Springer seine Regionalzeitungen – unter anderem das Hamburger Abendblatt – und Zeitschriften verkauft. Andererseits seinen deutschlandweiten medialen Einfluss unter anderem durch den Zukauf des Nachrichtensenders N24, der bis 2010 zu ProSiebenSat.1 gehörte, gestärkt. Erst gestern teilte Springer mit, N24 und die „Welt“ noch deutlich sichtbarer verzahnen zu wollen: Die Marke N24 solle schrittweise auf allen Kanälen wegfallen, stattdessen trügen künftig alle journalistischen Angebote „Welt“ im Namen, auch der TV-Sender.

Der Einfluss auf den Werbemarkt, den das Bundeskartellamt seinerzeit monierte, dürfte bei einem Zusammenschluss ebenfalls nicht geringer geworden sein. Zudem haben beide Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in ihre Digitalgeschäfte investiert. Bei Springer macht der Online-Bereich bereits mehr als 50 Prozent der Gesamterlöse aus. Auch hier könnte es zu Auflagen kommen.

Auch abseits der Genehmigungspflicht ist die Ausgangssituation eine andere: 2005 wäre die TV-Gruppe der klare Juniorpartner gewesen. 2015 hingegen muss Springer auf Augenhöhe verhandeln, wenn nicht sogar aus unterlegener Position. An der Börse ist ProSiebenSat.1 gut doppelt so viel wert wie das Berliner Medienhaus. Insofern kann man die Mitteilung, in der der Führungsanspruch Friede Springers betont wird, auch als Kampfansage an Thomas Ebeling und den Rest des Vorstandes von ProSiebenSat.1 verstehen.

Ob am Ende der anscheinend unwidersprochen stattfindenden Sondierungsgespräche eine tatsächliche Fusion steht, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher scheint eine engere Zusammenarbeit, die kartellrechtlich und unternehmensphilosophisch unbedenklicher ist.