Stadtpark-Konzert

Browne-Auftritt, der in Erinnerung bleiben dürfte

Lebt derzeit in Kalifornien: Jackson Browne

Lebt derzeit in Kalifornien: Jackson Browne

Foto: picture alliance

Jackson Browne gab ein so langes wie starkes Stadtpark-Konzert. Zugabenteil mit zwei Nummern, die er bisher nicht im Programm hatte.

Hamburg.  Mit Hamburg und dem Stadtpark verbindet Jackson Browne eine Menge positive Erinnerungen. Bei seinem Konzert wird er nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen. Ihm fällt zum Beispiel 1982 ein, als er das erste Mal auf der Open-Air-Bühne gastierte und damals die Sonne durchkam, als er gerade „For Everyman“ singen wollte. Im ersten Teil des aktuellen Konzertes ist es einer der wenigen Klassiker, die Browne im Repertoire hat.

An diesem Sonntagabend ist es zwar nicht sonnig, aber immerhin trocken und die fast 2000 Zuschauer genießen einen angenehmen Abend mit dem amerikanischen Folkrocker und seiner sechsköpfigen Band. Der 66 Jahre alte Sänger, Pianist und Gitarrist nutzt den Zeitrahmen, den er zur Verfügung hat: Um 19 Uhr kommt er auf die Bühne, um 22 Uhr verlässt er sie wieder, zwischendrin gönnt er sich lediglich eine 15-minütige Pause.

Vor der Pause sind die meisten der Songs im Tempo eher zurückgenommen oder Balladen. „The Long Way Round“ von seinem aktuellen Album „Standing In The Breach“ widmet er den Toten von Charleston, die in der vergangenen Woche dem Massaker eines weißen Rassisten zum Opfer gefallen sind, und den Opfern aller anderen Massaker, die sich täglich auf der Erde ereignen. Browne gehört zu den Rockmusikern, die in politischen und sozialen Fragen immer ihre Stimme erhoben haben, und das ist an diesem Abend nicht anders. Im Zugabenteil spielt er „I Am A Patriot“, ein Stück, das in der Vergangenheit von vielen Zuhörern missverstanden wurde – so wie der Song „Born In The USA“ seines Freundes Bruce Springsteen.

Im zweiten Teil des langen Abends nehmen Tempo und Druck der Songs zu. Browne hat eine exzellente Band um sich versammelt, darunter seinen langjährigen Freund Bob Glaub am Bass und den Pedal-Steel-Gitarristen Greg Leisz, der zu den Ausnahmekönnern auf dem Instrument gehört. Auch Gitarrist Shane Fontayne setzt mit seinen Soli, etwa bei „Standing In The Breach“, immer wieder Glanzpunkte. Insgesamt spielt Browne sechs neue Stücke, seine Klassiker hat er drama- turgisch geschickt bis zum Ende des Konzertes aufgehoben. „Doctor My Eye­s“ gehört ebenso dazu wie „The Pretender“, „Running On Empty“ und „Take It Easy“, das Browne einst für den Eagles-Sänger Glenn Frey schrieb.

Und weil er Hamburg so toll findet und Zeit genug da ist, spielt er im Zugabenteil noch zwei Nummern, die er auf dieser Tournee bisher nicht im Programm hatte: neben dem bereits erwähnten „I Am A Patriot“ auch das groovende „Somebody’s Baby“, 1982 als Single veröffentlicht. Schlusspunkt des Abends wird „Our Lady Of The Well“. Könnte sein, dass Jackson Browne auch dieses Stadtpark-Konzert in guter Erinnerung behalten wird.