Sado-Maso-Roman

Faulheit? Autorin schreibt „Fifty Shades“ noch mal

Erfolgsautorin E. L. James könnte mit ihrem neuen Roman „Grey“ noch einige Millionen mehr verdienen

Erfolgsautorin E. L. James könnte mit ihrem neuen Roman „Grey“ noch einige Millionen mehr verdienen

Foto: Andy Rain / dpa

Mit Büchern über Sado-Maso-Sex eines Millionärs wurde E. L. James selbst Millionärin. Jetzt erzählt sie die gleiche Geschichte nochmal.

München/London.  125 Millionen verkaufte Bücher weltweit, Millionen Kinobesucher allein in Deutschland und ein wahrer Sex-Spielzeug-Boom: Die britische Autorin E.L. James hat mit ihrer Sado-Maso-Triloge „Fifty Shades“ eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt. Die Erotik-Reihe über die Liebe zwischen einer devoten Studentin und einem dominanten Millionär machte sie selbst zur Multimillionärin. Und weil das alles so gut geklappt hat, versucht sie das jetzt nochmal.

In rund zwei Wochen will James ihr neues Buch „Grey“ auf den Markt bringen. Sie erzählt darin einfach die gleiche Geschichte ein zweites Mal - nur diesmal nicht aus weiblicher Sicht, sondern aus der Perspektive des Titelhelden Christian Grey. „Es heißt Grey... Ich hoffe, es gefällt euch“, schrieb James auf Instagram. „Grey“ soll am 18. Juni auf Englisch erscheinen. Es ist der Geburtstag des fiktiven Charakters.

„Christian ist ein vielschichtiger Charakter, und die Leser waren schon immer fasziniert von seinen Wünschen, seinem Antrieb und seiner schwierigen Vergangenheit“, teilte die Autorin mit. Außerdem wisse jeder, der einmal eine Beziehung gehabt habe, dass jede Geschichte zwei Seiten haben. Eine simple Idee, die James noch einmal viel Geld einbringen könnte.

„Shades of Grey“ löste einen Hype aus

Der „Shades of Grey“-Film von Regisseurin Sam Taylor-Johnson mit Dakota Johnson und Jamie Dornan in den Hauptrollen brach im Februar dieses Jahres Rekorde. In den ersten vier Tagen nach dem Kinostart hatten schon 1,35 Millionen Zuschauer(innen) in Deutschland den Film gesehen: der beste Start eines von einer Frau inszenierten Films in der deutschen Kinogeschichte.

Der Film löste - wie schon die allein in Deutschland über zehn Millionen Mal verkauften Bücher - einen Hype aus. Die Londoner Feuerwehr sah sich sogar gezwungen, vor den Tücken von Sexspielzeug wie Handschellen zu warnen. Der Film könne dazu führen, „dass mehr Menschen gefangen sind und sich selbst nicht mehr befreien können“.

Wann nun die deutsche Version des neues Erotik-Buches auf den Markt kommt, ist noch unklar. „Wir gehen davon aus, dass das Buch wieder bei uns erscheint“, sagte eine Sprecherin des Goldmann-Verlages in München, der auch schon die erste Version der Sado-Maso-Trilogie auf den deutschen Markt gebracht hat. Ein Erscheinungstermin sei aber noch nicht beschlossen. „Das muss ja auch noch in die Übersetzung.“

Leserinnen mit „fünf oder mehr Sexpartnern“

Bislang haben vor allem Frauen „Fifty Shades of Grey“ und die beiden Nachfolge-Bände gelesen. Amy Bonomi, Professorin an der Michigan State University, hat in einer Studie die typische „Shades of Grey“-Leserin so beschrieben: Sie trinkt öfter mal einen über den Durst und hatte in ihrem Leben fünf oder mehr Sexpartner.

Am weiblichen Publikum wird auch die männliche Perspektive nichts ändern, glaubt TV-Sexexpertin Paul Lambert („Paula kommt“). „Das Buch ist eine banale Liebesgeschichte, aufgepeppt mit ein paar Sexszenen. Das ist nichts, was Männer interessiert“, sagt sie. „Und was soll Christian Grey jetzt schon denken außer: „Diese rattige Studentin, die werde ich jetzt mal nach allen Regeln der Kunst durchrappeln“?“ Er werde sich vielleicht noch wundern, warum er ihr alles vorschreiben darf und „warum sie so doof ist“. Sie sei gespannt, wie die Autorin damit 400 Seiten füllen will. „Vielleicht hat Christian Grey noch ein Hobby oder so, von dem wir bislang nichts wissen.“

„Zeichen für Faulheit beim Schreiben“

Hohe Erwartungen an das neue Buch hat Lambert nicht - ganz im Gegenteil. „Ich musste sehr lachen darüber. Zu diesem banalen Kram jetzt auch noch die Sicht von Christian Grey zu hören... Das wird ein Klassiker - bei Erscheinen.“

Und auch auf Twitter ist James’ Ankündigung des neuen Buches nicht nur Grund zum Jubel. „Guter Gott, mach, dass diese Verbrechen gegen Handlung, Charakter und Grammatik aufhören! Bitte!“, schrieb eine Nutzerin. Jemand anders twitterte, die gleiche Geschichte noch einmal aus anderer Perspektive zu erzählen, sei einfach ein „Zeichen für Faulheit beim Schreiben“.

(dpa)