Premiere

Schöne Stunden ohne Worte im Thalia Theater

Foto: Michael Rauhe

Ein Stück aus lauter Regieanweisungen: Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" funktioniert auf der Hamburger Bühne.

Hamburg. Mehr als zwei pausenlose Stunden, ohne Worte. 20 Schauspieler, 13 zusätzliche Darsteller und ein großer Chor. Und doch ist es allerhöchstens eine sanfte Überforderung, die die estnischen Regisseure Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper ihrem Publikum zumuten. Eine, der man sich gern und schnell ergibt. Ihre Inszenierung des Handke-Textes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten", der nur aus Regie-Anweisungen besteht und gänzlich ohne Dialoge auskommt, funktioniert.

Grau in grau, so beginnt der Abend am Thalia Theater, graue Menschen, eine graue, solide Rückwand. Derart grau, dass das Auge irgendwann geradezu überwältigt wird vom ersten (natürlich roten) Farbtupfer. Darüber und darunter: beklemmende Klänge, bedrohliche Musik. Das Regieteam arbeitet stark mit Geräuschen und Gesang, der Chor, der auch die ersten Regieanweisungen singt, ist auf Parkett und Ränge verteilt. Vorn beobachtet man die Spieler in ihren kleinen, feinen Momenten, ihren unterschiedlichen Typen, kurzen Begegnungen, die sehr präzise gearbeitet sind.

Zu den Bildern auf der Bühne gesellen sich innere Bilder. Die Fantasie ergänzt Geschichten, baut sich Möglichkeiten, schweift ab, kehrt wieder. Vielleicht ist der Abend einen Tick zu lang geraten. Geschenkt. Denn diese Inszenierung, die letzte Thalia-Premiere der Saison, die hat schon etwas. "Mal was anderes, näch", sagt eine Zuschauerin zu ihrer Begleitung in schönster, typisch hanseatischer Lakonie nach dem starkem Beifall. Man muss sich nur darauf einlassen.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie in der Wochenend-Ausgabe des Hamburger Abendblatts.