Hamburger Autorin

Karen Duve: „Wie schön war es an der Alster!“

Karen Duve mit dem Huhn Rudi in ihrem Haus im brandenburgischen Ringenwalde.
Die Hühnerhaltung hat sie inzwischen aufgegeben

Karen Duve mit dem Huhn Rudi in ihrem Haus im brandenburgischen Ringenwalde. Die Hühnerhaltung hat sie inzwischen aufgegeben

Foto: picture alliance

Autorin Karen Duve („Taxi“) lebt in Brandenburg. Morgen kommt sie für eine Lesung in ihre Heimatstadt Hamburg zurück.

Hamburg. Karen Duve ist auf Umwegen zur Erfolgsautorin geworden. Nachdem die Hamburgerin ihren Beamtenjob abgebrochen hatte, fuhr sie 13 Jahre lang Taxi. Darüber schrieb sie ihren bisher erfolgreichsten Roman „Taxi“. Die Verfilmung kommt im August in die Kinos. In „Grrrimm“ hat sie fünf Märchen der Gebrüder in ihrer eigenen Version erzählt. Aufsehen erregte sie auch mit ihrem Sachbuch „Anständig essen“ über ihren Ernährungs-Selbstversuch. Am Dienstag liest die 53-Jährige im Polittbüro.

Hamburger Abendblatt: Wie war heute das Mittagessen bei Ihnen: vegetarisch, vegan, frutarisch oder doch mit Fleisch?

Karen Duve: Vegetarisch. Spaghetti mit Pilzen. Zur Veganerin habe ich es immer noch nicht gebracht.

Macht nichts. Was treibt Sie gerade um?

Duve: Mein neuer Roman und zwei fürchterlich kranke Bulldoggen, die ständig in die Tierklinik müssen.

Sie leben mit mehreren Tieren auf dem Land. Wie ist denn gerade der Bestand?

Duve: Zwei Hunde, zwei Kater, drei Pferde, ein kleiner Maulesel ... das reicht ja wohl auch. Dabei hatte ich vorher sogar noch eine Hühnerhaltung. Aber bei mir ist Hühnertuberkulose ausgebrochen. Für mich hat sich die Hühnerhaltung erledigt, weil dadurch der gesamte Boden verseucht ist.

Zurzeit arbeiten Sie an einem Roman?

Duve: Genau. Er soll im Jahr 2031 in einem Hamburger Vorort spielen.

Wird es eine Utopie oder eine Dystopie?

Duve: Es gibt eine Frauenquote von 40 Prozent in sämtlichen Bereichen. Also ganz klar Dystopie. Bei 40 Prozent werden die Männer langsam ungemütlich. Das ist aber nur Dekoration für einen Kriminalroman, der in jener Zeit spielt.

Sie kommen aus Lemsahl-Mellingstedt. Wie denken Sie an die Zeit zurück?

Duve: Im Nachhinein wird mir erst klar, in was für einem Paradies ich gewohnt habe. Wie schön es war so nah an der Alster! Wir hatten einen Rodelberg direkt vor der Tür. Und es war diese sozialdemokratisch geprägte Ausnahmesituation: Plötzlich gingen alle Kinder auf das Gymnasium, auch Kleinbürgerkinder und Handwerkerkinder. Ein bildungspolitisches Idyll, das es so weder vorher noch nachher gegeben hat. Wir haben uns mit den Kindern von Bankdirektoren und Versicherungschefs Wasserschlachten auf der Alster geliefert, ohne dass mir je klar war, welche Unterschiede in den Einkommensklassen unserer Eltern bestanden. Aber ich will die Zeit auch nicht verklären, natürlich gab es auch all den Kummer, den die finsteren 60er-Jahre und die Adoleszenz so mit sich brachten.

Ihr Roman „Taxi“ ist gerade verfilmt worden. Welche Erfahrungen haben Sie beim Film gemacht? Da geht es ja anders zu als im Literaturgeschäft.

Duve: Oh, ja. Schreiben ist wie Joggen: Turnschuhe an und los. Film ist schlimmer als Windsurfen oder Polo spielen. Man braucht furchtbar viel Equipment und Leute. Ich war schon in der Schule nicht für Gruppenarbeit. Aber dann hat es mir ungeheuer viel Spaß gemacht. Natürlich habe ich auch oft geflucht. Alle mischen sich ein, ständig ist das Geld knapp. Aber es hat ja auch Vorteile, wenn andere daran mitarbeiten.

Welche?

Duve: Wenn zum Beispiel Armin Rohde plötzlich etwas am Drehbuchtext verändert und dadurch die Situation viel besser auf den Punkt bringt. Er hat einen Gastauftritt als Betrunkener. Wie er einen 100-DM-Schein aus der Tasche zieht, ihn sorgfältig glättet und von jeder Seite anguckt, fand ich großartig. Genauso haben das die Volltrunkenen im Taxi immer gemacht.

Mit der Verpflichtung von „Game of Thrones“-Star Peter Dinklage ist Ihnen ein Coup gelungen.

Duve: Er ist einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler, ich habe ihn schon ganz lange in meinem Kopf gehabt. Als Cornelia Funke für „Tintenherz“ ihren Lieblingsschauspieler Brendan Fraser bekam, dachte ich, man kann es ja mal versuchen.

Sie leben in Brandenburg, in der Märkischen Schweiz, sind also an Berlin näher dran als an Hamburg. Hat das Ihre Sympathien bei der Kandidatur für eine deutsche Olympiastadt beeinflusst?

Duve: Ich bin Hamburgerin. Also war ich auch für Hamburg. Jedes Mal, wenn ich an einem Bahnhof stehe und ein Zug fährt in die Richtung, kriege ich Heimweh. Irgendwann ziehe ich zurück.

Was können die Besucher am Dienstag bei Ihrer Lesung erwarten?

Duve: Wir werden zwei Ausschnitte aus dem Film zeigen. Moderator Friedel Bott und ich werden etwas lesen. Es wird keine klassische Lesung, wir sind ja auf einer Kleinkunstbühne. Es wird wohl etwas aufgemischter und bunter.

„Ein Abend mit Karen Duve“ Di, 20 Uhr, Politt­büro, Karten 15/10 Euro