Konzerte, Lesungen, DJ-Sets: Molotow feierte Festival-Premiere

Mit Mach 3 zeigte der Kiezclub an neuer Adresse spannende Acts

Hamburg. „Das Molotow besteht aus den Leuten, die sich darin bewegen“, ruft Sänger Sören Warkentin in die Menge. Erschöpft. Euphorisiert. So eben hat er mit seiner Punkrock-Band Abramowicz das erste Festival des Molotow beendet. Mach 3, so der Titel. Drei Nächte mit Konzerten, Lesungen und DJ-Sets in den drei Spielstätten des Clubs. Im schön spröden Karatekeller. Im Saal im Erdgeschoss. In der Sky Bar im zweiten Stock. Und Warkentin hat recht. Die Künstler, das Team des Clubs sowie die Gäste, sie alle erwecken das Molotow erst wild pochend zum Leben.

Die Macher feiern mit der stark nachgefragten Mach-3-Premiere auch den Kraftakt, sich nach zwei Umzügen des Molotow nun am Nobistor für vier bis sechs Jahre wieder auf das Wesentliche konzentrieren zu können: auf die Musik. „Mich freut, dass wir die Seele des Ladens am Spielbudenplatz heraus räumen und hier wieder einrichten konnten“, sagt Fred Noel, Booker des Molotow, über den überstürzten Auszug aus den Esso-Häusern 2013, auf den zunächst einige Monate an der Holstenstraße folgten. „Das hat uns als Team zusammengeschweißt“, erzählt Noel.

Tatsächlich ist eine äußerst familiäre Atmosphäre zu spüren. Was gewiss auch an der Auswahl der Künstler liegt. Noel hat den Fokus bewusst auf das reiche Hamburger Reservoir gelegt. Bestes Beispiel sind Daniela Reis und Fritzi Ernst alias Schnipo Schranke, die das Zwischenmenschliche in derart eigener und eigensinniger Sprache verhandeln, dass ihnen die heiße Liebe der Menge nur so zufliegt. Die beiden singen an Piano und Schlagzeug so derbe und unschuldig zugleich, dass sie wie Udo Jürgens’ emanzipierte Enkelinnen wirken.

Viele Episoden schwingen nach aus diesen drei Nächten. Die Barfrau, die beim Auftritt von Die Sterne sehr lautstark mitsingt (und dabei munter Gläser sortiert). Die Lesung „Zeit für Zorn“, bei der die Türsteher die handfeste Seite des Nachtlebens humorig aufbereiten. Der Solo-Artist Loop Rider, der mit seiner Technik eine Ein-Mann-Großraumdisco entfesselt (inklusive Radschlägen auf kleinstem Raum). Und das Konzert von Garl & Die Geräte – als hätten die Electro-Rowdys von Deichkind ins Alleinunterhalterfach gewechselt.

Ein spannendes Line-up, das auch von den großen Veranstaltern goutiert wird. Nicht umsonst wurde Mach 3 vom Reeperbahn Festival präsentiert. Dessen Chef Alexander Schulz erklärt: „Wir finden es unterstützenswert, wenn einer der wichtigsten und liebsten Klubs im Rahmen eines kleinen Festivals viele neue Acts aufführt.“ Eine Entdeckung ist etwa die Hamburger Gruppe Fluten, die ihren Hardcore-Rock mit derartiger Wucht spielt, dass kein Blatt mehr passt zwischen Band und Fans. Zwischen die Menschen im Molotow.