Hamburg 1

Kultmoderator Kuno Dreysse: „Ich mache keine Verrisse“

Am heutigen Freitag moderiert Kuno Dreysse die 1000. Ausgabe seines wöchentlichen Musikmagazins „Crazy“ beim Lokalsender Hamburg 1. Die erste Sendung war 1995, aber ans Aufhören denkt er noch nicht.

Winterhude. Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Am heutigen Freitag moderiert Kuno Dreysse zum 1000. Mal sein Musikmagazin bei Hamburg 1. Gibt es Feuerwerk, Champagner und eine Riesensause zum Jubiläum von „Kuno’s – Storys aus Rock und Pop“? „Ach was“, sagt Kuno, 69, und grinst. Freuen tut er sich schon über die Zahl, die nicht viele Moderatoren mit einem wöchentlichen Magazin im deutschen Fernsehen erreichen dürften. Aber der Paukenschlag passt auch nicht so recht zu einem, der mit dem Rock ’n’ Roll in Hamburg groß geworden ist.

War die Zahl 1000 im September 1995, als er das erste Mal mit seinem Magazin auf Sendung gegangen ist, sein Ziel? „Ich habe am Anfang überhaupt keinen Gedanken an irgendwelche Zahlen verschwendet“, sagt Kuno. Wir sitzen im Landhaus Walter im Stadtpark, wo der fröhliche Hamburger mit Brille und Pferdeschwanz gerade die Moderationen für seine Jubiläumssendung einspricht. Seine Devise vor 19 Jahren: Einfach mal anfangen – und dann sehen, was daraus wird.

So war es immer in seinem Leben, in dem die Musik schon früh die Hauptrolle eingenommen hat. Seine Schulzeit beschreibt er als „teils sonnig, teils bewölkt“. Er lernt erst Schifferklavier und dann Gitarre. Weil seine Klampfe von den Mitspielern auch „das Geräusch“ genannt wird, steigt er auf Bass um. Und weil in seiner Band schon zwei Jungs Michael heißen, wird aus dem dritten Michael flugs Kuno. Fortan also Kuno Dreysse.

Es ist die Zeit, als der Rock ’n’ Roll nach Hamburg kommt. Plötzlich gibt es Live-Musik auf dem Kiez. Laut, englisch, rockig. Mit Tony Sheridan im Kaiserkeller und den Beatles, die Kuno im Star-Club bewundert hat. Das Neue? „Vorher hatten Erwachsene für Jugendliche Musik gemacht“, sagt er. „Und jetzt spielten plötzlich 18-Jährige für 18-Jährige.“ Und: „Denen war es völlig egal, ob sie mit ihrer Musik Geld verdienten. Die wollten nur spielen.“

Die 60er-Jahre haben Kuno geprägt. Und das bis heute. „Ich kann dir nicht mehr genau sagen, wer 1984 oder 1986 in Hamburg wo aufgetreten ist“, sagt er. „Aber ich weiß noch genau, wer im Frühjahr, im Sommer oder im Herbst 1962 oder 1963 in welchem Club auf dem Kiez gespielt hat.“

1969 findet das letzte Konzert im Star-Club statt

Aus dem Star-Club-Besucher wird 1969 der Star-Club-Geschäftsführer. Zusammen mit Achim Reichel und Frank Dostal versucht Kuno, den legendären Schuppen am Leben zu halten. Sie arbeiten Tag und Nacht, und manchmal hat er morgens auch noch den Laden ausgefegt. Sie verpflichten bekannte Bands, doch das Publikum zieht nicht mit. Am Silvesterabend 1969 findet das letzte Konzert im Star-Club statt. Kuno hält auf der Bühne eine wütende Abschiedsrede. „Dies ist der wirklich letzte Abend – und ihr seid selber schuld. Ihr kommt mit dem Arsch nur hoch, wenn irgendwas Namhaftes hier spielt. Ihr werdet noch an den Star-Club denken, wenn ihr eure Hintern in der Musikhalle in die Sessel zwängt und euch nicht mehr bewegen könnt.“

Ein Jahr später eröffnet Kuno die Disco Madhouse, dann zieht es ihn zum Radio. Er gestaltet das Musikprogramm bei Radio Hamburg. „Da habe ich die Singles noch aus Kästen rausgewühlt. Und wenn die da nicht drin lagen, musste eben eine andere Single gespielt werden.“ Er wird 1988 einer der ersten Moderatoren bei OK Radio und macht dann den Schritt vor die Fernsehkamera, gefördert in all den Jahren von seinem Freund und Produzenten Professor Christoph Meier-Siem.

Kuno hat sich nie an den Interview-Fragebogen gehalten

Eines hat sich bei Kuno nicht geändert: „Ich mache keine Verrisse.“ Zu groß ist die Liebe zur Musik und der Respekt vor den Stars, von denen er so viele interviewt hat. Eric Burdon und Carlos Santana, Roger Chapman und Brian Auger, Status Quo und Deep Purple. B.B. King ließ ihn lange warten, „um dann umwerfend charmant zu sein“. Bei Dave Crosby von den Byrds war er so aufgeregt, „dass ich wichtige Fragen gar nicht gestellt habe“. Überhaupt seine Interviews. „Ich habe mich nie an einen Fragenkatalog gehalten“, sagt er. Die Gespräche entwickelten sich immer auch aus den Antworten der Gäste.

Das soll noch lange so bleiben. Kuno, der seit mehr als 20 Jahren auch als DJ beim LiLaBe in Bergedorf die Faschingsmeute auf die Tanzfläche treibt, wird sein Rock-Archiv Woche für Woche vergrößern. Das ist dann doch noch zwei Paukenschläge wert. An den kommenden beiden Wochenenden sendet Hamburg 1 in „Kuno’s Nächten“ die Höhepunkte aus tausend Sendungen.

„Kuno’s – Storys aus Rock und Pop“ Fr 20.15 Uhr, Hamburg 1