Kritik zu „Die Rasenden“

Dem Schauspielhaus gelingt zum Auftakt der große Wurf

Stefan Grund

Intendantin Karin Beier feiert furiosen Auftakt ihrer ersten Spielzeit am Deutschen Schauspielhaus. Nach umfangreichen Umbauarbeiten und zahlreichen Rückschlägen meldet sich das Theater als eines der wichtigsten im deutschsprachigen Raum zurück.

Hamburg. Mit einem großen dramatischen Wurf hat die neue Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier ihre erste Spielzeit am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg nach mehrfacher Verschiebung des Premierentermins am Sonnabend eröffnet. Ihr sechseinhalbstündiges Antike-Projekt „Die Rasenden“ (Nettospielzeit: fünf Stunden) begeisterte das Publikum im ausverkauften Haus restlos. Damit meldet sich das Schauspielhaus nach umfangreichen Renovierungs- und Umbauarbeiten inklusive schicksalhafter Rückschläge nicht nur als führendes Theater in Hamburg zurück, sondern auch als eines der wichtigsten Theater im deutschsprachigen Raum.

Unter dem Titel „Die Rasenden“, benannt nach den Rachegöttinnen, den Erinyen, fasst Regisseurin Karin Beier fünf antike Dramen nach Euripides, Aischylos, Sartre und von Hofmannsthal zusammen, in denen die Tragödiendichter anhand des Mythos des Atridenfluches von der Wiege der abendländischen Zivilisation berichten.

Beier spielt vielschichtig parallel zu den Erzählungen von Schuld und Sühne im Verlauf des Abends mit der Geschichte der Theaterevolution von seiner Erfindung bis heute. Damit gelingt ihr ein zugleich faszinierendes und anspruchsvolles Theaterfest. Fast alle Schauspieler des neuen Ensembles stellen sich in den „Rasenden“ ihrem Hamburger Publikum vor.