Wie bastle ich mir eine Verschwörungstheorie?

Bekannte historische Figuren, eine dramatische Story, Fakten und Fantasie – aus diesen Zutaten sind schon etliche Bestseller entstanden

Dan Brown ist ein Meister seines Fachs. Wenn in diesen Tagen wieder Millionen Menschen den Film „Da Vinci Code – Sakrileg“ im TV sehen und das Buch lesen, stoßen sie unter der Überschrift „Fakten und Tatsachen“ auf Browns Zusicherung: „Die ‚Prieuré de Sion‘, der Orden der Bruderschaft von Sion, wurde im Jahr 1099 gegründet und ist eine Geheimgesellschaft, die bis heute existiert.“ Das erhöht die Spannung, ist aber so völliger Blödsinn.

Eine Verschwörungstheorie zu basteln ist nicht schwer. Versuchen Sie es mal, stellen Sie sie ins Netz. Sie werden sich wundern, wie viele Anhänger Sie bald in den einschlägigen Foren haben. Hier das Rezept à la Dan Brown: Als Zutaten nehme man einige bekannte historische Gestalten wie Leonardo da Vinci oder Sir Isaac Newton. Beide waren Freimaurer – und Newton vermutlich auch noch Rosenkreuzer in seinem Doppelleben. Das ist schon mal recht verdächtig und lässt noch Geheimeres ahnen. Als Ingredienz kommt eine dramatische Story dazu: Angeblich jahrhundertealte Dokumente werden „durch Zufall“ gefunden, hier natürlich eine Zutat vom Feinsten, nämlich in der Pariser Nationalbibliothek. Unter der Bezeichnung „Dossiers Secrets“ enthalten sie eine Mitgliederliste erlauchterNamen. Wer kann beurteilen, ob sie gefälscht und hineingeschmuggelt worden sind, wer will und kann das recherchieren? Dazu gebe man eine gehörige Prise an kleinen, profanen, nachprüfbaren Tatsachen (ein Pfarrer kommt plötzlich zu Reichtum, es gibt auffällig viele Marienbilder in einem Dorf), reiße Zitate anerkannter Zeitgenossen aus dem Zusammenhang, mische Wahrheit, Halbwahrheiten und Fantasie, sammele Indizien, die passen könnten, und rühre alles zu einer logisch scheinenden Mischung zusammen. Zum Schluss würze man das Ganze endlich mit dem großen Geheimnis: Jesu Nachfahren leben! Wer hätte das gedacht?

Dieses Wissen muss selbstverständlich geschützt werden. Klar, durch eine ganz geheime und gefährliche Bruderschaft: eben die Prieuré de Sion. Nur hat es die nie gegeben. Deshalb können weder da Vinci noch Newton Mitglieder gewesen sein. Und natürlich hat Dan Brown das wissen müssen, als er „Sakrileg“ schrieb. Ein spannender Thriller, ohne Zweifel, aber fiktiv.