Serie: Schulgeschichte, Teil 7

Elterninitiative will eine längere Gymnasialzeit – die Politik nicht

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Insa Gall

2015 könnten die Hamburger in einem Volksentscheid abstimmen

Hamburg. In vielen deutschen Bundesländern wird derzeit über eine Rückkehr zur längeren, neunjährigen Schulzeit an den Gymnasien diskutiert – so auch in Hamburg. In der Hansestadt macht sich die Volksinitiative „G9-jetzt-HH“ der Journalistin Mareile Kirsch dafür stark, dass die neunjährige Gymnasialzeit als Wahlmöglichkeit neben dem bisherigen Abitur nach acht Jahren wieder eingeführt wird.

Der damalige Schulsenator Rudolf Lange (FDP) hatte die Schulzeit an Gymnasien 2002 verkürzt. Der Schock über das schlechte Abschneiden Deutschlands beim PISA-Test war noch präsent, eine stärkere Leistungsorientierung schien das richtige Mittel, um das Bildungswesen zu kurieren. 2010 legte der sogenannte Doppeljahrgang die Reifeprüfung ab, seither werden alle Schüler am Gymnasium in Hamburg im Regelfall in acht Jahren zum Abitur geführt. Die Stadtteilschulen bieten den Jugendlichen die Möglichkeit, in neun Jahren den Abschluss zu machen.

Auch wenn erste Bildungsstudien den „Turbo“-Abiturienten keineswegs schlechtere Leistungen attestierten als den G9-Schülern, wuchs doch im Laufe der Zeit die Sorge über den Leistungsstress, den die verkürzte Schulzeit den Mädchen und Jungen mit bis zu 36 Unterrichtsstunden in der Woche aufbürdete. Schüler klagen über zu große Belastung und zu wenig Freizeit, Eltern sehen die Kindheit ihres Nachwuchses in Gefahr, und Schulpolitiker fürchten um die Muße zur echten Reflexion.

Nun könnten die Hamburger selbst über eine Rückkehr zu G9 abstimmen. In dieser Woche hat der Senat offiziell bestätigt, dass das Elternbündnis von Mareile Kirsch mehr als die erforderlichen 10.000 Unterschriften abgegeben hat und die Volksinitiative zustande gekommen ist. Ob 2015 ein Volksentscheid stattfinden wird, hängt davon ab, ob „G9-jetzt-HH“ Mitte 2014 innerhalb von drei Wochen 62.000 Unterschriften sammeln kann. Zunächst einmal ist aber die Bürgerschaft am Zug. Sie muss die Initiative anhören und über ihre Vorlage beraten. Wahrscheinlich ist zudem, dass es Gespräche zwischen Initiative und Bürgerschaftsfraktionen geben wird, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Ideal wäre aus Sicht von Kirsch, wenn an allen Gymnasien sowohl G8 also auch G9 angeboten würde.

Viel Sympathie gibt es bei den Parteien allerdings nicht für eine Rückkehr zur längeren Schulzeit. Zwar wollen sie alle die Gymnasiasten im Alltag entlasten. Aber wie Schulsenator Ties Rabe wenden sich auch die anderen Fraktionen gegen eine neue Strukturreform, die viel Unruhe bringen würde. Und vor allem: Die längere Schulzeit gilt als Wettbewerbsvorteil der Stadtteilschulen, die durch leistungsbewusste Schüler gestärkt werden sollen. Gäbe es auch an Gymnasien wieder G9, würde man die Stadtteilschulen aber schwächen.