Werner Voss

Trauer um den Erfinder des „Rock’n’Roll Museums“

Werner Voss erlangte mit seiner Musiksendung Kultstatus. Der ehemalige Verwaltungsbeamte, im Zweitberuf Rundfunkmoderator, starb mit 72 Jahren an Krebs und hinterlässt eine Sammlung von 50.000 Titeln.

Hamburg. Die ersten Takte von Eddie Cochrans „Summertime Blues“, danach ein Break mit Peter Urbans sonorer Stimme und der Ansage für die nun folgende Sendung, dann noch mal der „Summertime Blues“, bis Werner Voss das Wort ergriff, um die Hörer zu begrüßen – in seiner typischen breiten Hamburger Mundart, stets sachlich und unaufgeregt. So begann „Werner Voss’ Rock’n’Roll Museum“. Es erlangte Kultstatus. Auf NDR 2 gehörte die Sendung zum Sonntagmittag wie ein guter Schweinebraten mit Kartoffeln, zumindest zu Zeiten, als auch der NDR-Hörfunk nur drei Programme hatte.

In den vergangenen fast 25 Jahren hatte Voss mit seinem „Rock’n’Roll Museum“ bei NDR Info (und dem Vorläufer NDR 4) zwar wechselnde, so doch regelmäßige Plätze bekommen, zuletzt an jedem ersten Sonnabend im Monat im Rahmen der „Nachtclub Classics“. Nicht nur die NDR-Info-„Nachtclub“-Musikredaktion trauert jetzt um Werner Voss, sondern die gesamte norddeutsche Rock-’n’-Roll-Gemeinde. Voss erlag im Hamburger Marienkrankenhaus im Alter von 72 Jahren einem Leberkrebsleiden.

Voss’ Hörfunk-Karriere verlief kurios. Eigentlich war er gar kein Rundfunkmann, sondern Verwaltungsbeamter (erst im Liegenschaftsamt Hamburg, später als Leiter im Einwohnermeldeamt Bramfeld). Als er dem damaligen NDR-Musikredakteur Klaus Wellershaus, zuständig für die populäre Rubrik „Musik für junge Leute“, einen kritischen Brief geschrieben hatte, weil er Fehler in dessen Anmoderation entdeckt hatte, lud Wellershaus ihn ein Jahr später ins Studio an die Rothenbaumchaussee und schlug ihm vor, er solle es besser machen. So entstand die zu Idee zu „Werner Voss’ Rock’n’Roll Museum“, es öffnete am 28. Mai 1974 erstmals für die NDR-2-Hörer. Bis Oktober 2013 sollten 580 weitere Ausgaben folgen. Als er noch im Beamtendienst war, nahm Voss jeweils einen Tag Urlaub, um seine Sendung mittags bestreiten zu können – damals alles live.

Schon im Laufe der 60er-Jahre hatte Voss begonnen, Platten zu sammeln. „Rock ’n‘ Roll ist eine Art Oberbegriff für eine Vielzahl musikalischer Stilrichtungen der 50er- und frühen 60er-Jahre“, hat er mal formuliert. Diese Vielfalt den NDR-Hörern näherzubringen, wurde für den Liebhaber dieser Musik zu einer Lebensaufgabe. Von A wie Ace Records über Checker Records mit Bo Diddleys „Who Do You Love?“ (1956) bis zu Z wie Zoom Records, er beschaffte Aufnahmen von Rock-’n’-Roll-Labels, die bis dato nirgendwo gespielt wurden und erläuterte am Mikro Hintergründe von Künstlern, die einem zuvor nichts gesagt hatten.

In seiner Wandsbeker Wohnung und in zwei angemieteten Kellern hat Voss die Titel fein säuberlich nach Interpreten archiviert. Einen Computer besaß er bis zuletzt nicht. Die Playlist für die Sendungen schrieb er noch auf Schreibmaschine. NDR-Info-Redakteurin Angela Gobelin erinnert sich, wie Voss, stets mit zurückgekämmten Haaren, meist montags mit Aktenkoffer und kleinem Plattenkoffer kam, um die nächste Sendung aufzunehmen. Damit er seine Vinylplatten abspielen konnte, wurde eigens ein Plattenspieler bestellt. NDR Info würdigt Werner Voss an diesem Sonnabend mit der Ausstrahlung seiner 500. Sendung von 2006.

Was mit seiner Platten- und Magazinsammlung – es sind etwa 50.000 Titel – geschehen soll, ist noch offen. Voss hat es in seinem Testament verfügt.

„Nachtclub Classics“: Erinnerungen an „Werner Voss’ Rock ’n’ Roll Museum“ Sa 7.12. u. Sa 4.1., jew. 23.05 Uhr, NDR Info