Im Transen-Outfit

„Ich erinnere mich immer noch sehr genau und in einer Mischung aus Schaudern und Vergnügen, wie ich bei der Eröffnung hinter der Bühne auf meinen Auftritt wartete. Mein Partner Gunter Schmidt war vorn im Café, ich war schon fertig geschminkt, hatte noch Zeit und Langeweile – da fiel mein Blick auf das grandiose Outfit einer später auftretenden Supertranse: glitzernd wie der Sternenhimmel, korsettartig wie eine Generalsuniform, mit eingebauten Titten. Toll! Ich zog es über, ohne zu fragen und guckte in den Spiegel: Atemberaubend! Im wahrsten Sinne des Wortes. Es engte mich derartig ein, dass ich schnell versuchte, es wieder auszuziehen – vergeblich. Der Reißverschluss klemmte, mir ging die Puste aus. Das war also die Strafe für die unerlaubte Aneignung der Garderobe, denn was sollte ich machen: Ein Haustelefon gab es nicht, das Publikum war schon im Saal, und ich konnte unmöglich in diesem Aufzug durch die Zuschauer, um mich zu meinem Partner durchzuschleppen ... Er kam kurz bevor ich kollabierte. Als die Eignerin des Körperpanzers in die Garderobe kam, hatte ich trotzdem das Bedürfnis zu beichten. Souverän und unglaublich nett die Reaktion: Ein lang gedehntes: „Ach Gott, SCHÄÄÄÄtzchen!!!“, und ein Griff auf das Regalbrett, wo sich eine Kombizange befand: „Ohne Werkzeug komm ich da weder rein noch raus!“

(Lisa Politt ist Betreiberin des Polittbüros und Kabarettistin im Duo Herrchens Frauchen)