Hamburgische Staatsoper

“Shakespeare Dances“: Wir alle sind Narren der Liebe

John Neumeiers Ballett “Shakespeare Dances“ wurde in der Staatsoper frenetisch gefeiert. Im Stehen huldigte das Publikum den Solisten, dem Ensemble, Dirigent Simon Hewett und John Neumeier,

Hamburg. Kaum war der Vorhang über „Shakespeare Dances“ in der Staatsoper gefallen, fegte ein kollektiver Jubelschrei durch den Saal. Im Stehen feierte das Publikum frenetisch die Solisten, das Ensemble, Dirigent Simon Hewett und John Neumeier, der vor 40 Jahren das Hamburg Ballett übernahm. Nach dem Senatsempfang zu Ehren des Jubilars führte Hamburgs Ehrenbürger seinen Triumphzug fort: Er eröffnete mit der schwung- und humorvollen Montage seiner Ballette „Wie es Euch gefällt“, „Hamlet“ und „Vivaldi oder Was ihr wollt“ die 39. Ballett-Tage.

Fahrradfahrer Jacques (Carsten Jung) blättert unter Bäumen in Shakespeares Werken und entführt den Zuschauer in dessen Welt voller Verliebter und Verrückter. Sie erscheinen posieren und wirbeln vergnügt durcheinander: Silvia Azzoni und Alexandre Riabko als leichtfüßiges Traumpaar Rosalind und Orlando; Orsino (elegisch schön: Thiago Bordin) und Viola (in einem bemerkenswerten Rollendebüt: Carolina Agüero); Olivia (Hélène Bouchet) und Sebastian (for ever young: Lloyd Riggins); auch das intensive Unglückspaar Hamlet (Edvin Revazov) Hamlet und Ophelia (Anna Laudere). Sie alle bringen die Figuren und ihre Gefühlsverwirrungen auf den Punkt, gestalten sie brillant. Liebesrausch gipfelt in geworfenen und gedrehten Hebungen, blinde Leidenschaft wird zur Stolperfalle und Bodenakrobatik beim köstlichen Abwehr- und Klammer-Pas-de-deux zwischen dem sexy Bauerntrampel Audrey (Patricia Tichy) und dem linkischen Touchstone (Konstantin Tselikov). Als Gegenstück vergeblichen Werbens ist in „Was ihr wollt“ das Männer-Duo zwischen Antonio (Thomas Stuhrmann) und Sebastian zu sehen.

Thematische wie choreografische Querverbindungen erschließen sich in der auf Kernszenen komprimierten Zusammenschau der Ballette. Sie gewinnen durch Kürzung sogar an Dichte und Spannung. Im Finale stürmt das Ensemble mit Clownsnasen und Zylinder die Bühne: Alle Menschen sind letztlich doch Narren der Liebe.

„Shakespeare Dances“ 28.6., 19.30, Staatsoper, Restkarten unter T. 35 68 68