Senatsempfang

Mediendialog: das Haus aus dem 3-D-Drucker

Beim Senatsempfang zur Eröffnung des Mediendialogs gab es gewagte Visionen und eine politische Initiative. Bürgermeister regte an, die Rundfunkkommission der Länder in eine Medienkommission umzuwandeln.

Hamburg. Es gab eine ganze Menge zu klären auf dem Senatsempfang zur Eröffnung des Mediendialogs: Welche Bedeutung werden künftig 3-D-Drucker haben? Was ist vom Leistungsschutzrecht zu halten? Kann man das Gehirn künftig in die Cloud auslagern? Und welche Erfolgsaussichten hat eigentlich Bild Plus, das neue Bezahlangebot von Bild.de?

So munter geht es zu, wenn man hochmögende Medienschaffende wie den Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer Mathias Döpfner, den Digital-Chef von Gruner + Jahr Stan Sugarman, den Gründer der Social Media-Plattform Lars Hinrichs sowie Salim Ismail, Digitalunternehmer und Gründer der kalifornischen Singularity University, auf ein Podium bittet. Döpfner ist zuversichtlich, dass Bild Plus funktionieren wird. Sugarman und Hinrichs sind eher skeptisch, wobei der G+J-Mann die für einen Digitalchef bemerkenswerte These vertritt, dass journalistische Bezahlinhalte nur auf bedrucktem Papier funktionieren, das eine ganz bestimmte sinnliche Qualität habe, nicht aber auf digitalen Medien. Das Leistungsschutzrecht begrüßen Döpfner und Sugarman. Hinrichs lehnt es ab. Und die Frage nach dem Gehirn in der Cloud stellte Döpfner seinem Mitdiskutanten Ismail, mit dem Moderatorin Gabi Bauer vom „Nachtmagazin“ der ARD nicht so recht warm wurde.

Ismail hatte vor der Diskussionsrunde in einem langen Vortrag erläutert, dass künftig Lebensmittel aus 3-D-Druckern kommen und selbst Häuser von 3-D-Druckern errichtet werden. Das Internet der Dinge gilt als der nächste große Trend der Branche. Denn wenn alles als Information definiert werden kann, ändert sich auch die Produktion physischer Gegenstände.

Aber Ismail widmete sich auch dem menschlichen Gehirn, das seiner Ansicht nach dringend ein Update benötige, da es sich seit 50.000 Jahren nicht verändert habe. Derweil fragte Döpfner seinen in Kalifornien weilenden Konzerngeschäftsführer Christoph Keese via SMS, was das denn für eine Universität sei, die Ismail da gegründet habe. Eine sehr gute, aber etwas esoterische, lautete die Antwort. Wollen die das Gehirn in die Cloud auslagern? Das bestritt der Universitätsgründer dann jedoch. Man wisse ja gar nicht genau, wie das menschliche Gehirn funktioniere.

Die Diskussionsrunde anlässlich des Senatsempfangs zum Mediendialog war eine Premiere. Und ob es sie so auch im nächsten Jahr geben wird, dürfte angesichts ihres wenig strukturierten Verlaufs zumindest fraglich sein. Unterhaltsam zumindest war sie.

Das gilt auch für Ismails Vortrag, der reich an steilen Thesen und plastischen Vergleichen war. Wenn die Geschwindigkeit von Autos sich in den vergangenen Jahren ebenso erhöht hätte wie die von Computern, wären sie heute in Lichtgeschwindigkeit unterwegs, erklärte er dem staunenden Auditorium. In 20 Jahren würde die Speicherkapazität eines ganz normalen Computers der aller Gehirne sämtlicher sieben Milliarden Erdenbewohner entsprechen. Und in spätestens zehn Jahren kämen computergesteuerte Autos auf den Markt, die keinen Fahrer mehr benötigen. Fünf Jahre darauf wären diese Vehikel dann Mainstream. Ein erster Prototyp, das Google Car, sei in Kalifornien bereits eine halbe Million Meilen unfallfrei gefahren.

Bei so viel Visionen ging fast unter, dass es an diesem Abend auch eine handfeste politische Initiative gab. Bürgermeister Olaf Scholz regte in seinem Eingangsreferat an, die Rundfunkkommission der Länder in eine Medienkommission umzuwandeln. Sie solle künftig auch Verantwortung dafür tragen, dass der Artikel fünf des Grundgesetzes, der die Pressefreiheit garantiert, mit Leben erfüllt wird. Medien- und Netzpolitik müssten zusammengeführt werden. Nötig sei auch ein neuer Medienstaatsvertrag.