Medienmacher

In der Redaktion des “Sterns“ herrscht dicke Luft

Wurde zu Jahresbeginn der neue Chefredakteur Dominik Wichmann noch als Heilsbringer begrüßt, sind große Teile der Redaktion ihm gegenüber nun eher reserviert eingestellt.

Einen solch radikalen Stimmungsumschwung wie derzeit beim „Stern“ hat es in der Redaktion eines Printtitels wohl selten gegeben: Wurde zu Jahresbeginn der neue Chefredakteur Dominik Wichmann noch als Heilsbringer begrüßt, sind – zurückhaltend formuliert– große Teile der Redaktion ihm gegenüber nun eher reserviert eingestellt. Kritisiert wird etwa, dass die neue Redaktionsstruktur nicht funktioniere. Beim sogenannten „Sounding Board“, einem Komitee, das den Veränderungsprozess in der Redaktion begleiten soll, seien bereits in der ersten Sitzung über 100 Zettel mit Kritikpunkten eingereicht worden. So seien beispielsweise die Ressorts, die nun Texte ohne einen Textchef redigieren sollen, mit dieser Aufgabe überfordert. Zudem gebe die Chefredaktion neuerdings die Haltung vor, die gegenüber bestimmten Themen – ob optimistisch, kritisch oder betroffen – einzunehmen sei. Jeder Text müsse einen bestimmten „Sound“ haben. Mit fundamentaler Kritik, die „Stern“-Redakteure gern und häufig in Konferenzen äußern, könne Wichmann nicht umgehen. Generell ginge er auf Anregungen der Redaktion kaum ein. Eine Sprecherin sagt, man stehe am Anfang einer riesigen Umstrukturierung. Dass noch nicht alles klappe, sei normal. Haltungen würden nicht vorgegeben. Zudem diskutiere die Chefredaktion sehr viel mit den Redakteuren.

Der Burda Verlag („Focus“, „Bunte“) wird sein Pariser Büro Ende des Jahres schließen. Alle 15 Mitarbeiter werden entlassen. Noch am Mittwoch hatte ein Sprecher auf Anfrage gesagt, die Strukturen der Auslandsbüros würden lediglich überprüft. Einen Tag später kündigte jedoch Burda-Managerin Elisabeth Varn in Paris die voraussichtliche Schließung der Hubert Burda Media France SAS an. Erforderlich sei noch die Zustimmung der französischen Behörde Direccte – eine reine Formalie. Notwendig sei die Schließung aus Kostengründen. Dem Vernehmen nach plant der Verlag, einige seiner Mitarbeiter künftig frei zu beschäftigen. Sie müssten dann von zu Hause aus arbeiten. Dass Burda mit seinen vielen Frauenzeitschriften künftig komplett auf journalistische Mitarbeiter in der Modemetropole Paris verzichtet, gilt als ausgeschlossen. Unklar ist, was das alles für die Burda-Standorte London und New York bedeutet. Dort unterhält der Verlag Büros mit jeweils etwa sieben fest angestellten Mitarbeitern.