Medienmacher

Technikprobleme behindern Gruner + Jahrs Digital-Offensive

Die Digital-Offensive von Gruner Jahr wird von einem technischen Problem überschattet. Seit etwa drei Jahren arbeitet der Verlag an der Einführung einer gemeinsamen technischen Plattform für all seine Online-Angebote.

Es waren hehre Worte, die anlässlich der Inthronisierung des neuen Vorstands von Gruner+Jahr Mittwochabend verbreitet wurden. „Die Transformation zu einem auch digital führenden Medienunternehmen“ erfordere „eine inhaltliche und personelle Neuordnung des Managements“, sagte der G Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Rabe, der zugleich Vorstandsvorsitzender der G J-Konzernmutter Bertelsmann ist. Einen Aspekt übersah Rabe jedoch. Die Digital-Offensive von Gruner Jahr wird von einem massiven technischen Problem überschattet. Seit etwa drei Jahren arbeitet der Verlag unter dem Projektnamen Unity an der Einführung einer gemeinsamen technischen Plattform für all seine Online-Angebote. Dieses Projekt, das den Verlag bisher einen siebenstelligen Betrag gekostet haben soll, ist nun endgültig gescheitert. Es habe sich gezeigt, dass Unity nicht für alle Angebote skalierbar gewesen sei, heißt es in Verlagskreisen. Redakteure berichten, dass die Einführung des Content Management Systems (CMS) FirstSpirit bei Gala.de, die im Zuge des Projektes erfolgte, zu einem Desaster geführt habe.

Eine Verlagssprecherin räumt das Scheitern von Unity ein. Ihr Haus werde das Projekt „in der bestehenden Form nicht weiterführen“, sagt sie. Derzeit werde „am Einsatz eines neuen, leistungsfähigen CMS-Systems sowie einer cross-platform Content Publishing Lösung“ gearbeitet. Wie die konkret aussehen soll, steht aber offenbar noch nicht fest.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, die auf den letzten Drücker die insolvente dapd übernehmen wollte, setzte dabei vergeblich auf die Hilfe eines prominenten Unterstützers: Vor ein paar Wochen tauchten zwei russische Manager beim ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust auf und baten ihn um Unterstützung. Aust lehnte jedoch ab. Ob seine Entscheidung die Russen bewog, die Agentur, die mittlerweile ihren Dienst eingestellt hat, doch nicht zu übernehmen, ist nicht bekannt.

Der Rückzug Gruner Jahrs aus Polen, der noch vom ehemaligen G J-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein eingeleitet wurde, steht wohl unmittelbar bevor. Wie es in Verlagskreisen heißt, könnte das polnische Portfolio in Teilen oder komplett an den Münchener Burda Verlag verkauft werden. Gruner Jahr gelang es in Polen nicht, zu den den dortigen Marktführern aufzuschließen. Weder Burda noch Gruner Jahr waren zu einer Stellungnahme bereit.

Der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass die Geschichte über Reiche, die ihr Vermögen in Steueroasen anlegen, nicht vom „Spiegel“, sondern von der „Süddeutschen Zeitung (SZ)“ und dem NDR publiziert wurde, heißt Sebastian Mondial. Der Hamburger Datenjournalist wählte im Auftrag des International Consortium of Investigative Journalists dessen deutsche Medienpartner aus. Der Organisation war eine Datei mit den Namen von 130.000 Personen zugespielt worden, die ihr Geld in Steueroasen parken. Mondial entschied sich für die „SZ“, weil er deren Investigativ-Chef Hans Leyendecker gut kennt. Leyendecker brachte wiederum den NDR ins Spiel, mit dem die „SZ“ bei investigativen Geschichten kooperiert.