Restaurant-Tipp

Tollkühne probieren die Fischblase aus der Ming Dynastie

Das chinesische Restaurant Ming Dynastie serviert neben Peking-Ente und Bami-Goreng auch ausgefallenere, aber immer authentische Gerichte

Manche Restaurants werben damit, dass schon mal eine SPD-Generalsekretärin und David Bowie bei ihnen zu Gast waren, aber das kann noch kein Qualitätsbeweis sein: Die Generalsekretärin und Bowie haben vielleicht gar keinen Geschmack und fressen daheim Fischstäbchen und Pferdelasagne aus der Dose. Im Wandsbeker Chinarestaurant Ming Dynastie sitzen viele Chinesen, weil sie hier was Echtes kriegen; auch deutsch-chinesische Pärchen kommen gern - so lernt die/der Deutsche, nach welcher Logik sich die Speisekarte lesen lässt und wo unter den 100 Gerichten denn nun die Sensationen stehen.

Die Ming Dynastie zeigt Stilwillen durch Serviettenkunst und Farbharmonie, wir fragen die Kellnerin, ob wir nach dem Veltins Pilsener bitte den Chianti trinken können: Das Gespräch über Wein hätte Loriot nicht besser inszeniert; wir nehmen schließlich eine Flasche 2007er Chateau Barat (28 Euro), die Mauer im Kopf fällt beim China-Weißwein "Great Wall" (Glas 4,50 Euro). Der Konservative oder Feigling erhält auch seine Sicherheitsspeisen wie Bami-Goreng, Peking-Ente oder Schweinefleisch Chop Suey, aber wir (zwei Hamburger, ein Chinese, zwei Ösis, ein Berliner Türke) wollen schwitzen und Abenteuer wagen.

Keine Widerrede: Der Schweinemagen mit Frühlingszwiebeln und Paprika übertrifft noch den Pfälzer Saumagen, der ja ein Weltstar dank Helmut Kohl geworden ist. Der Quallensalat mit Gemüse glibbert nur ein bisschen und erfrischt unseren Türken; wer einmal die gegarten Erdnüsse probiert hat, erkennt jetzt erst, was die Erdnuss bedeuten kann. Wir tauschen Kleinigkeiten untereinander - Rindersülze mit fünf Gewürzen, die 1000-jährigen Eier (sind nicht ganz so alt), Baby-Sojabohnen, Morcheln mit Bergchili und die eingelegten Hühnerfüße, bei denen ich dann doch zögere, aber als sie im Mund stecken, muss ich tatsächlich einen Lustschrei unterdrücken.

Die Nationalgebäcke (Dim Sum, ab 3,50 Euro) soll der Koch für uns aussuchen, er hext: Klebreisbällchen mit Lotusfruchtfüllung und Kokosraspeln, gedämpfte Reismehltaschen mit Garnelenfüllung, Kürbiskuchen mit Bohnenpaste, Taro-Rollen mit Süßkartoffeln ("Schmecken lustig", urteilt der Steirer in unserer Runde und langt zu). Bei den Hauptgerichten betören uns dann der geschmorte Ochsenschwanz und das Lamm mit Kreuzkümmel, die Krebse in Sha-Cha-Soße und Sellerie mit Lilienblüten, die Auberginen mit Hackfleisch im Tontopf (ah, diese Schärfe!) und der Heilbutt mit Schwarzpfeffer - die Preise liegen zwischen 8 und 23 Euro, abgesehen von ein paar Spezialitäten für die Tollkühnen (die geschmorte Fischblase kostet 38 Euro).

Der Kaiser Hongwu gründete die Ming-Dynastie im Jahre 1368, hat die Mongolen verhauen und aus China vertrieben und die Kochkunst gefördert: Wenn Hongwu jetzt nach Wandsbek käme, dann würde er vor Freude weinen darüber, dass seine Delikatessen dort immer noch da sind.

Ming Dynastie Öffnungszeiten Di bis Fr von 12 bis 15 Uhr, 17 bis 22 Uhr, Sbd und So 12 bis 22 Uhr, Mo Ruhetag außer an Feiertagen, Wandsbeker Königstraße 19-21 (U Wandsbek Markt), T. 040 69 21 99 12, www.ming-dynastie.com

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