Kolumne: Medienmacher

Warum der Ex-Phoenix-Chef mit den "Tagesthemen" streitet

Seltsam ist der Fall eines Beitrags zum Pferdefleischskandal. Auf wenig Begeisterung ist bei den Töchtern des Medienkonzerns Bertelsmann das Sparprogramm Operational Exellence (Opex) gestoßen.

Erst mit mehrstündiger Verspätung schaltete der NDR vergangenen Donnerstag um 14 Uhr einen Beitrag seines Medienmagazins "Zapp" in der hauseigenen Mediathek frei. In dem Stück, das am Abend zuvor im NDR Fernsehen gelaufen war, geht es um die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Erfurt, die gegen NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Konkret wirft sie ihm vor, davon gewusst zu haben, dass sein Abschiedsfest beim Kinderkanal Ki.KA, dessen Programmgeschäftsführer er bis 2008 war, mit 30.000 Euro finanziert wurde, die aus Scheinrechnungen stammten. Beckmann sagt, bei der Party handele es sich vermutlich um die Abschlussfeier der Ki.KA-Sommertour in deren Rahmen er verabschiedet worden sei. Aufnahmen von der Festivität, die in dem Beitrag zu sehen sind, legen allerdings den Eindruck nahe, dass es bei der Feier fast ausschließlich um die Verabschiedung Beckmanns ging. Wurde der Film mit dem Titel "Feiern über Gebühr" deshalb zunächst nicht in die Mediathek eingestellt? Nein, heißt es beim NDR. Man habe den Donnerstagvormittag benötigt, um die Online-Rechte an den Aufnahmen des Festes zu klären. Dies sei von der Autorin des Beitrags vorab versäumt worden.

Seltsam ist der Fall eines Beitrags zum Pferdefleischskandal, der am 14. Februar in den "Tagesthemen" lief. Er war Donnerstag in der ARD -Mediathek nicht aufzufinden, stand Freitagvormittag wieder online und war am Nachmittag desselben Tages abermals verschwunden. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Christoph Minhoff, und der ARD. Minhoff kommt in dem "Tagesthemen"-Beitrag zu Wort, aber anders als er es sich vorgestellt hat. In dem Stück möchte der Lobbyist der Lebensmittelindustrie zunächst von ARD-Reporter Oliver Jarasch wissen, welche seiner Äußerungen denn auf Sendung gehen werde. "Soweit kommt es noch", antwortet der Journalist. Zuvor will Minhoff aber darauf bestanden haben, dass die Kamera ausgeschaltet wird, weil Jarasch ihm dreimal hintereinander dieselbe Frage gestellt habe. Seine Äußerung sei außerhalb des Interviews gefallen und hätte nicht gesendet werden dürfen. Pikant ist, dass der BLL-Mann selbst jahrelang in Diensten der Öffentlich-Rechtlichen stand - zuletzt bis Herbst 2012 als Programmgeschäftsführer von Phoenix, dem Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF. Rechtlich vertreten ließ sich Minhoff zunächst von dem Medienrechtler Gernot Lehr, der wiederum an der Seite der ARD bei deren Streit mit den Verlegern um die "Tagesschau"-App steht. Als sich abzeichnete, dass es im Streit um den "Tagesthemen"-Beitrag zu keiner gütlichen Einigung kommen würde, legte Lehr ein Mandat nieder, weil er nicht gegen die ARD klagen wollte. So bekam das Erste am Donnerstag eine Unterlassungsverpflichtungserklärung von der Hamburger Kanzlei Damm & Mann zugeschickt.

Offenbar mehr Mühe als gedacht hatte das Bundeskartellamt mit der am Mittwoch genehmigten Übernahme der "Frankfurter Rundschau" durch die "FAZ". Wie es in Branchenkreisen heißt, hatten die Wettbewerbshüter der "FAZ" ursprünglich angeboten, die Übernahme Ende Februar unter Vorbehalt zu genehmigen. Die endgültige Entscheidung wäre dann zwei, drei Wochen später gefallen. Ein solches Vorgehen habe die "FAZ" aber abgelehnt, heißt es. Weder Zeitung noch Bundeskartellamt wollen dies kommentieren.

Auf wenig Begeisterung ist bei den Töchtern des Medienkonzerns Bertelsmann das Sparprogramm Operational Exellence (Opex) gestoßen. Mit seiner Hilfe will das Unternehmen die Bereiche IT, Rechnungs- und Finanzwesen sowie Personal verschlanken. Bei Unternehmenstöchtern wie Gruner + Jahr oder der RTL Group versteht man das Programm aber vor allem als Zentralisierungsprojekt. Befürchtet wird eine Ausdünnung der entsprechenden Ressorts, sodass am Ende nichts übrig bleibt, was bei den Töchtern eigene Vorstandsbereiche rechtfertigt. Betroffen sind die Finanzvorstände Achim Twardy (Gruner Jahr) und Elmar Heggen (RTL Group). Eine Bertelsmann-Sprecherin sagt, eine Zentralisierung sei nicht geplant, die Vorstandsressorts sollten erhalten bleiben.

Die nächste Ausgabe dieser Kolumne erscheint erst am 16. März.