Menschlich gesehen

Der Bariton

"Ich bin kein Arzt. Wenn ich einen Fehler mache, stirbt niemand." Diese durchaus tröstliche Tatsache über den Opernsänger-Beruf hält den Bariton George Petean aber nicht davon ab, jeden Abend in seiner jeweiligen Rolle das Beste geben zu wollen. Derzeit singt er den Germont in der neuen Staatsopern-"Traviata", an einem Haus und in einer Stadt, der er für die vielen Karriere-Chancen sehr dankbar ist, die er hier erhielt. Und das Sterben in dieser Verdi-Oper übernimmt bekanntlich Germonts geliebte Violetta.

Seit 2010 ist der international gefragte Sänger kein Ensemblemitglied mehr, aber der Lebensmittelpunkt blieb, auch wenn er ständig unterwegs ist. Als Nächstes steht der Posa im "Don Carlos" an der Wiener Staatsoper im Kalender. Peteans Frau ist eine ehemalige Balletttänzerin, die wie er aus Rumänien stammt. Neben Klavier und Gesang hat Petean dort auch Posaune studiert, was für einen Bariton ungewöhnlich ist. Die Zeiten, in denen Petean in der siebenbürgischen Heimat an der Tischtennisplatte brillierte, sind ebenfalls vorbei. Vor einigen Jahren hat er Poolbillard als Entspannungstechnik für sich entdeckt, erst recht, wenn man allein in fremden Städten ist und sich nicht bei Spaziergängen erkälten darf. "Andere machen Yoga." Doch auch wenn das Pool-Talent für die 2. Bundesliga reichen könnte, Petean, der am Donnerstag 37 wird, hat seine Lebensentscheidung längst getroffen.