Hamburger Senat ehrt Autorin von "Last Exit Volksdorf"

Tina Uebel erhielt im Literaturhaus den Hubert-Fichte-Preis

Hamburg. Preisverleihungen sind, das liegt in der Natur der Sache, rührselige und rührende Veranstaltungen. Wenn einer für sein Tun geehrt wird, dann geht es ja oft nicht nur um ein einzelnes Werk oder den unvergesslichen Geniestreich, sondern um die Ausdauer, die den Künstler über alle Widrigkeiten und Selbstzweifel hinweg produktiv sein lässt. Tina Uebel wurde jetzt im Literaturhaus der Hubert-Fichte-Preis übergeben. Er ist der einzige Hamburger Staatspreis und wird nur alle vier Jahre vergeben - das gibt ihm ein durchaus exklusives Gepräge.

Und er wird ja auch nur Autoren verliehen, die eine deutliche Beziehung zu Hamburg haben. Gestatten, Tina Uebel: Jahrgang 1969, aufgewachsen in Volksdorf, wohnhaft auf St. Pauli. Leidenschaften: Schreiben und Reisen. Sonstige Eigenschaften: Gehört zur Literatur-Connection um den "Macht"-Club und ist in ihrer Geburtsstadt bestens vernetzt. Und weiter? War an ihrem Ehrentag mächtig nervös.

Da wusste sie sich, was ihren Gefühlshaushalt anging, in guter Gesellschaft, denn außer nervös war sie ja in hohem Maße berührt. Zum Beispiel von der Laudatio ihres Entdeckers, Förderers und Lektors Martin Hielscher, der der Autorin von "Horror Vacui", "Die Wahrheit über Frankie" und "Last Exit Volksdorf" lauter schrecklich nette Worte schenkte. Zum Beispiel, dass Uebel eine Choreografin sei, "die den Tanz ihrer Figuren arrangiert" - Literatur als Ballett, schöne Idee.

Außerdem, so Hielscher, steuere "der Wunsch nach Bedeutung und Intensität Tina Uebels Schreiben". Auch dem ist zuzustimmen. Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) hob zu Recht auf die Hingabe Uebels an ihren Heimatort ab und wies zugleich auf die Weltoffenheit und das Fernweh hin, die Uebels Texte durchzögen. "Wer in Hamburg mit Literatur zu tun hat, kam an Tina Uebel in den vergangenen 15 Jahren nicht vorbei", sagte Kisseler.

Dann war die Ausgezeichnete selbst dran. Sie dankte ihrer Mutter, der Journalistin und Buchautorin ("Kriegskind") Karen Lund, für die hochliterarische Erziehung vor einer "riesigen Bücherwand" - und außerdem, auch das gehört sich so, der Kulturbehörde mit dem umtriebigen Literaturreferenten Wolfgang Schömel für die Förderung des literarischen Lebens. Zu dem hat Uebel in den vergangenen Jahren selbst viel beigetragen, keine Frage. Weshalb die Entscheidung der Jury (Antje Flemming, Barbara Heine, Werner Irro, Wend Kässens, Stephan Samtleben), ihr den mit 7500 Euro dotierten Preis zu geben, eine glänzende ist. Übernächste Woche erscheint übrigens Uebels Reisebuch "Nordwestpassage: für dreizehn Arglose und einen Joghurt" - dem Titel nach sehr vielversprechend.