Loriot ist tot

Vicco von Bülow im Alter von 87 Jahren gestorben

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Deutschlands großer Humorist und Cartoonist starb an Altersschwäche, wie der Diogenes Verlag mitteilte. Auch in Hamburg lebte und wirkte Vicco von Bülow.

Hamburg. Deutschland trauert um einen seiner größten Humoristen aller Zeiten: Vicco von Bülow, den meisten noch besser bekannt in seiner Paraderolle Loriot, ist tot. Der Komiker und Zeichner starb am Montag im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See. Todesursache sei Altersschwäche gewesen, teilte der Diogenes Verlag am Dienstag in Zürich mit. Die Bestattung wird den Angaben zufolge im engsten Familienkreis stattfinden. Von Bülow war seit 1951 mit Ehefrau Rose-Marie verheiratet, mit der er die Töchter Bettina Charlotte und Susanne Margarete hatte.

Vicco von Bülow begann in den 1950er Jahren als Karikaturist für verschiedene Zeitschriften. Seine Arbeiten erschienen schon damals unter dem Pseudonym "Loriot“. Ein Millionenpublikum erreichte er durch Bücher mit Karikaturen und satirischen Prosastücken sowie durch Fernsehauftritte und Filme. In seinen Karikaturen und Sketchen persiflierte er meist den täglichen Irrsinn des deutschen (Spieß)-Bürgertums.

Loriot wurde mit zahlreichen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet. Er war auch Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Akademie der Künste verbeugt sich vor "großem Satiriker"

In einer ersten Stellungnahme verbeugte sich die Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied von Bülow war, vor dem "großen Satiriker“ Loriot. "Mit Vicco von Bülow haben wir den Klassiker des intelligenten und zugleich volksnahen Humors verloren“, sagte Akademie-Präsident Klaus Staeck am Dienstag. "Loriots Spracherfindungen, seine Konstellationen grotesker Lebensumstände, die zu absurd komischen Situationen führen, sind generationenübergreifend populär und werden es bleiben.“

Loriot habe das deutsche Fernsehen mit anspruchsvollem Humor auf eine Höhe gebracht, die von heutigen Comedystars unerreicht bleibe, so Staeck. Seine Filme seien ebenso in lebendiger Erinnerung wie seine legendären Dirigate der Berliner Philharmoniker. Staeck erinnerte daran, wie von Bülow vor einigen Jahren im Dialog mit Walter Jens den Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich II gelesen habe – das sei „ein noch heute hörenswertes Ereignis von Sprachkultur und Vortragskunst“ gewesen.

Zahlreiche legendäre Sketche und Filme

Seine zahlreichen Sketche sind legendär – etwa die Nudel im Gesicht beim verpatzten Rendezvous, der missglückte Auftritt des Lottogewinners Erwin Lindemann oder die Cartoons "Herren im Bad“ und "Das Frühstücksei“. Auch seine beiden Kinofilme "Ödipussi“ (1988) und "Pappa ante portas“ (1991) begeisterten Millionen Menschen.

Loriot wurde zunächst mit Zeitschriften-Cartoons und Knollennasenmännchen bekannt. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie „Loriot I-VI“ (Erstausstrahlung 1976-1979), hinzu. In Sketchen wie über die Familie Hoppenstedt trat Loriot meist selbst als wandlungsfähiger Schauspieler hervor, oft mit seiner bereits 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann.

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Als Bernard Victor Christoph-Carl von Bülow 1923 in Brandenburg an der Havel geboren, wuchs der Sproß eines alten mecklenburgischen Adelsgeschlechts zusammen mit dem jüngeren Bruder bei der Großmutter auf. Die Eltern ließen sich früh scheiden. Später zogen die Brüder mit dem Vater und dessen zweiter Frau nach Stuttgart. Gemäß der Familientradition schlug Vicco von Bülow die Offizierslaufbahn ein und überlebte drei Jahre an der Ostfront. Nach Kriegsende schlug er sich als Holzfäller durch und holte das Abitur nach.

Loriot studierte und lebte auch in Hamburg

Manche nannten den Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den "Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung“ oder "Deutschlands komischste Figur“.

Auf jeden Fall war Loriot, der sich nach dem französischen Wort für das Wappentier seiner Familie benannte (Loriot = Pirol), einer der populärsten Deutschen. In Umfragen nach der Beliebtheit kam er regelmäßig auf einen der vordersten Plätze. Im Jahr 2007 landete er bei der ZDF-Sendung "Unsere Besten – Komiker & Co“ auf Platz eins.

Auch in Hamburg wirkte von Bülow. Von 1947 bis 1949 studierte der Komiker Malerei und Grafik an der Hamburger Landeskunstschule bei Alfred Mahlau und Willem Grimm (Stipendium), Mitstudent war Horst Janssen. Nach eigenen Angaben lebte von Bülow insgesamt zehn Jahre in der Hansestadt. Anfang der 90er Jahre häuften sich die Altersbeschwerden, 2009 musste sich Vicco von Bülow einer Augen-Operation wegen Netzhautablösung unterziehen.

Bereits 2007 starb Evelyn Hamann, Loriots langjährige Sketchpartnerin aus Hamburg.

Mit Material von dpa, dapd und kna