Gunter Demnig

"Stolperstein"-Künstler hat Ärger mit dem Finanzamt

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb / picture-alliance/ dpa/dpaweb/dpa

Auch in Hamburg erinnern Demnigs "Stolpersteine" an Opfer aus der NS-Zeit. Finanzamt wertet die Steine offenbar als Massenware statt Kunst.

Köln/Hamburg. Dem Künstler Gunter Demnig, dessen "Stolpersteine" auch in Hamburg vielerorts an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, hat seit einiger Zeit Ärger mit dem Finanzamt.

Jeder Messingstein des 63-jährigen Künstlers aus der Nähe von Köln ist vor dem letzten Wohnort des Verschleppten oder Ermordeten in den Gehweg eingelassen und trägt seinen Namen. Knapp 30.000 Steine hat der Künstler in den letzten 15 Jahren verlegt, auch im Ausland. In Hamburg finden sich Steine unter anderem vor dem Thalia Theater und der Universität.

Ursprünglich wurden die Steine als Kunstwerke bewertet und unterlagen deshalb einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz: Statt 19 Prozent musste Demnig nur 7 Prozent zahlen. Doch mittlerweile verlange das Finanzamt den vollen Satz, da er die Steine in so großer Zahl herstelle, sagte Demnig am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. "Die sagen, das wär sowas wie Fließbandarbeit, was nicht stimmt, denn jeder Stein ist handgefertigt, jedes Schicksal ist erforscht.“

Ein Mitarbeiter der Oberfinanzdirektion Rheinland lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab, weil das Steuergeheimnis dies verbiete. Laut Demnig hat er sich mittlerweile so weit geeinigt, dass er wenigstens für die vergangenen sieben Jahre nicht mehr nachzahlen muss. "Ich kämpfe weiter, ich gebe so schnell nicht auf“, sagte er. "Das ist im Grunde ein Skandal. Die sehen überhaupt nicht, was dahintersteckt, die sehen ein Blechschild. Es ist eine faule Geschichte.“

Der Verein EL-DE-Haus, der das Kölner NS-Dokumentationszentrum unterstützt, warf den Finanzbehörden eine „menschenverachtende, geschichts- und kulturfeindliche Gesinnung“ vor. "Das ist eindeutig Kunst“, sagte Vorstandsmitglied Hajo Leib über die "Stolpersteine“. Natürlich glichen sich die Steine, aber jeder sei ein Unikat. „Das ist ähnlich wie mit Bildern, die dasselbe Motiv haben, etwa bei Cézanne“, meinte er.

Demnig verlangt für jeden Stein 95 Euro. Neonazis würden ihm deshalb vorwerfen, er wäre längst Millionär, sagte er. "Das ist völlig absurd. Jeder, der rechnen kann, fragt mich: "Wie machst du das mit den 95 Euro?“ Wenn ich meinen Stundenlohn ausrechne, glaub ich nicht, dass ich über 2,50 kommen würde.“ (dpa)