Neuerscheinung

Gott im Magazinformat: Jesus am Kiosk

Foto: Verlag katholisches Bibelwerk

Ungewöhnlich, kompakt, praktisch. Jetzt zu kaufen: Das Neue Testament im Zeitschriftenformat. Wer das lesen soll? Jeder, sagen die Macher.

Hamburg. Selbst ohne tief gehende typografische Kenntnisse ist man bei Ansicht dieses Neuen Testaments der festen Überzeugung: Hier könnte sich jemand um den Goldenen Schnitt bemüht haben - dieses ideale Verhältnis zweier Größen zueinander in Kunst und Architektur. Sieht ja fesch und elegant aus, das Heft. "Das Neue Testament als Magazin" ist der Name der schicken Zeitschrift in DIN A4. Herrlich, weil den Missionsgedanken des Christentums so marktschreierisch aufnehmend, ist die Information auf dem Titel: "Der vollständige Text auf 224 Seiten". Ein erstes Kaufargument für das ab sofort für 9,20 Euro am Kiosk ausliegende Produkt. Das zweite: Die zentrale Inschrift der Titelseite - "Damit ihr Hoffnung habt". Darunter der Verweis: "vgl. 1 Petrus 1,21 (Seite 209)".

Das Neue Testament, zusammen mit dem Alten bildet es die Bibel, ist normalerweise ein schwerer Brocken. Eine Bleiwüste, wie Layouter und Mediengestalter sagen würden. Nur Buchstaben und Sätze. Keinerlei grafische Abwechslung, eine ultraharte Leseoberfläche. Jetzt also das Magazin: nicht unbedingt federleicht, aber doch luftig in seiner Anmutung. Hervorhebungen, unterschiedliche Schriftarten, viel Weißfläche - zumindest verglichen mit der Einheitsbibel, die in vielen Hotelzimmern auf dem Nachttisch liegt.

Und auch wenn es am Ende nicht der Goldene Schnitt ist, der die grafische Aufmotzung dieser alten Schrift charakterisiert, irgendwie und gefühlt muss er doch eine Rolle spielen. Weil dieser Goldene Schnitt nämlich auch der Göttliche Schnitt heißt.

Auf handwerklicher Ebene arbeitet "Das Neue Testament als Magazin" mit einem Inhaltsverzeichnis, mit Fotos und mit einem Impressum. Das nennt die beiden Namen, denen wir die neue Bibel-Variante zu verdanken haben: Oliver Wurm und Andreas Volleritsch.

Wurm, gelernter Sportjournalist, kam laut eigenem Bekunden im Hotel auf die Idee, die Bibel optisch neu zu gestalten, weil er bei der Lektüre der Heiligen Schrift eindöste. "Die Bibel als Magazin - das war plötzlich eine Vision, die mich nicht mehr losgelassen hat", so schildert Wurm, 40, die himmlische Eingebung, die er mit einem Male hatte. Es ist ja nicht so, dass es die Bibel nicht schon in allen möglichen Variationen gäbe, etwa als Comic, auf USB-Stick (siehe Kasten) oder mit Chagall-Bildern. Aber als lesefreundlich designte Zeitschrift war das Neue Testament noch nicht in Erscheinung getreten, und so schritt Wurm mit Andreas Volleritsch zur Tat. Am Anfang war ein Word-Dokument, bestehend aus dem Neuen Testament, wie es Kirchgänger und Schüler kennen, die den Religionsunterricht besuchen: den vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes), der Apostelgeschichte, den Paulinischen Briefen, den Katholischen Briefen und der Offenbarung des Johannes.

Das ist doch Material, mit dem man arbeiten kann, an dem man sein grafisches Mütchen kühlen kann, gerade dann, wenn man keine bestimmten Vorlieben hat, worauf man den Leser bei der Bibellektüre stoßen will.

Eine Art Vorauswahl, die die Deutung beeinflusst, treffen die Magazinmacher ja durchaus: indem sie manche Stellen grafisch "highlighten", etwa diese Stelle bei Matthäus: "Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan". Oder jene bei Johannes: "Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben". Hat man alles schon mal gehört, und vielleicht hat Wurm, der ehemalige Caritas-Zivi und Messdiener, deshalb diese populären Stellen ausgewählt.

Theologische Kenntnisse hat er nämlich nicht, wie er freimütig gesteht: Und so war die Bibel fast so etwas wie ein formaler Abenteuerspielplatz. Was ja auch besser ist angesichts eines ästhetischen Vorhabens - da hätte missionarischer Eifer nur im Weg gestanden.

Man kann die einzelnen Teile des Neuen Testaments schnell finden, indem man sich an der unterschiedlichen Farbgebung orientiert. Überschlagen sollte man jedoch die furchtbaren Bilder, die üppig jeweils Doppelseiten belegen: Sie stammen von den Passionsspielen und sind des Guten zu viel. Heißt es nicht in den Zehn Geboten "Du sollst dir kein Bildnis machen"? Auch wenn das auf Gott gemünzt ist - der Transfer des Gebots auf die Heilige Schrift sollte dringend anvisiert werden. Weil es eine billige Flucht vor dem Text ist, und weil Oberammergau wie eine dicke, speckige Bibel in Frakturschrift ist: uralt und ungenießbar.

Gedruckt wird das Magazin mit Erlaubnis des Lizenznehmers der Einheitsübersetzung, dem Katholischen Bibelwerk in Stuttgart. Auf dem Markt ist Wurms und Volleritschs Werk schon seit einem Jahr. Es war bislang allerdings nur im Internet zu haben und wurde da schon 10 000-mal verkauft.

Weil Ostern unter Umständen die richtige Zeit ist, in der man sich die wunderbaren und nicht selten erbaulichen Geschichten des Neuen Testaments zu Gemüte führen kann, liegt es jetzt an 1000 Verkaufsstellen aus.

Sollten die Leser in den deutschsprachigen Ländern auf den Neuzugang in den Kioskständern ansprechen, dann sind auch Versionen in anderen Sprachen geplant. Ein Verkaufsschlager könnte das Teil im nächsten Jahr werden. Dann kommt Papst Benedikt zu Besuch nach Deutschland.