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Weshalb die "Tagesthemen" am Donnerstag erst um 0.21 Uhr liefen

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Kai-Hinrich Renner

Normalerweise ist die Sendung unantastbar. Es muss schon etwas wirklich außergewöhnliches passieren, wenn sie ausfällt.

Vergangenen Dienstag und Mittwoch ging es bei der ARD hoch her. Die Chefredakteure des Senderverbunds konnten nicht verstehen, weshalb die Programmredaktion auf die " Tagesthemen "-Ausgabe vom Donnerstag, dem 24. März, verzichten wollte. Im Programmschema, das die ARD an Fernsehzeitschriften und Tageszeitungen schickt, waren die "Tagesthemen" für diesen Tag nicht vorgesehen. Normalerweise ist die Sendung im Ersten unantastbar. Mit Ausnahme von Heiligabend und Silvester läuft sie jeden Tag. Wenn sie doch einmal ausfällt, muss schon etwas Außergewöhnliches geschehen. Zuletzt war das der Fall, als im Mai 2010 Lena den Eurovision Song Contest gewann.

Vergangenen Donnerstag stand aber nur die Übertragung der Verleihung des Musikpreises " Echo " auf dem Programm, gefolgt von der Sendung " 20 Jahre Echo" . Nichts sprach aus Sicht der Chefredakteure dagegen, zwischendurch gegen 23 Uhr, die "Tagesthemen" zu zeigen. ARD-Programmdirektor Volker Herres habe aber darauf verwiesen, heißt es in Senderkreisen, dass zu viele Zuschauer ab- oder umschalten würden, kämen zwischen "Echo" und "20 Jahre Echo" die "Tagesthemen". Auch der Hinweis auf die derzeitige Nachrichtenlage mit Atomkatastrophe, Libyen-Krieg und Euro-Krise habe ihn nicht umstimmen können. Offiziell will sich die ARD zu der Auseinandersetzung mit den Chefredakteuren nicht äußern. Jedenfalls kamen die "Tagesthemen" dann kurzfristig doch noch - im Anschluss an "20 Jahre Echo" um 0.21 Uhr.

Der NDR -Fernsehdirektor Frank Beckmann wehrt sich gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Ki.Ka -Affäre um die Veruntreuung von 8,2 Millionen Euro durch den ehemalige Herstellungsleiter des Senders, Marco K. Die Revision von MDR und ZDF , die den Ki.Ka beaufsichtigen, hatte Beckmann, der von 2000 bis 2008 Geschäftsführer des Senders war, vorgeworfen, von der Spielsucht K.s gewusst zu haben, dieses Wissen aber für sich behalten zu haben. "Hinweise, die den Vorwurf einer krankhaften Spielleidenschaft gegenüber dem Herstellungsleiter gerechtfertigt hätten, hatte ich nicht", sagt Beckmann nun. Er räumt aber ein, "vor elf Jahren", zu einem Zeitpunkt, als er noch nicht Geschäftsführer war, "gemeinsam mit Mitgliedern aus Kinderprogramm-Redaktionen und dem Ki.Ka-Herstellungsleiter anlässlich einer Tagung in Baden-Baden das dortige Spielcasino besucht" zu haben. Beckmann legt Wert auf die Feststellung, Gründe für eine Schadensersatzpflicht auf Grundlage seiner bisherigen Lektüre des Revisionsberichts nicht erkennen zu können. Der MDR prüft auf Empfehlung seiner Revisoren Schadenersatzansprüche gegen ihn. Der NDR-Fernsehdirektor widerspricht auch Gerüchten, er sei mit K. befreundet gewesen. Er habe zu ihm lediglich "ein kollegiales Verhältnis" unterhalten. "Unzutreffend" seien auch Behauptungen, er habe als Ki.Ka-Geschäftsführer so gut wie keine Rechnungen unterschieben, sondern dies K. überlassen.

Derweil tut sich das sonst auch gegenüber dem eigenen Haus kritische NDR-Medienmagazin " Zapp " mit der Ki.Ka-Affäre schwer. Obwohl der MDR die Ergebnisse der Revision bereits vorvergangenen Freitag veröffentlichte, berichtete "Zapp" vergangenen Mittwoch nicht. Dafür zeigte das Magazin einen harmlosen Beitrag über Praktikanten im Journalismus von Tina Schober - der Lebensgefährtin Beckmanns.

Burkhard Schmidt , seit 1997 Geschäftsführer der Jahr Holding , in der die Verlegerfamilie Jahr ihre Unternehmensanteile bündelt, so auch die am Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr , verlässt das Unternehmen zum 15. April. Er wolle sich mit 50 Jahren den Wunsch erfüllen, eine eigene Vermögensverwaltung zu gründen, sagt Schmidt, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Gruner + Jahr ist. Auch dieses Amt wird er niederlegen. Sein Nachfolger bei der Jahr Holding wird Winfried Steeger , ein 61-jähriger Gesellschaftsrechtler aus der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer , die bisher schon die Jahrs beriet.