Islamdebatte

Ist "Die Panikmacher" ein furchtbares Buch?

Foto: © Johannes Löwe

 Foto: © Johannes Löwe

Autorin Bettina Röhl sieht in Patrick Bahners streitbarem Buch "Die Panikmacher - Die deutsche Angst vor dem Islam" eine Hetzschrift.

Hamburg. Der Feuilleton-Chef der "FAZ", Patrick Bahners, hat ein wenig hilfreiches Buch zur Islamdebatte beigesteuert. Denn wer Informationen oder neue Aspekte zur Integrationsdebatte erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen bringt das Buch eine Art islamistische Scholastik in notdürftig kaschiertem westlich-bildungsbürgertümelnden Gewand.

Formal greift der Autor die wenigen sogenannten islamkritischen Stimmen einer Ayaan Hirsli Ali, Necla Kelek, Alice Schwarzer, Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin, Ralph Giordano und anderer Autoren, aber auch Familienministerin Kristina Schröder in einem wüsten Rundumschlag an. Sie alle seien, so wird Bahners sehr deutlich, gefährliche Panikmacher, die rechtes Gedankengut hoffähig machten und in die Mitte der Gesellschaft trügen.

Von Osama Bin Laden bis zum Selbstmordattentäter, vom Hassprediger bis zur überproportionalen Kriminalitätsrate der muslimisch geprägten Migranten, von überdurchschnittlichen Transferleistungen bis zur Bildungsferne und einer Stellung der Frau, die vom hier geltenden Genderrecht Jahrhunderte abweicht - all diese Tatsachen behandelt der Autor wie nicht existent. Stattdessen belabert Bahners den Leser auf 300 Seiten mit seinen nie zu Ende gedachten, nie zu Ende geschriebenen Scheinanalysen, weshalb die von ihm, dem typisch teutonischen Provinzschreiber, attackierten sogenannten Islamkritiker sich flächendeckend und ausnahmslos irrten. Das Buch ist unendlich umständlich und nervig geschrieben. Man merkt die permanente böse Absicht und ist verstimmt.

Zudem scheint der Autor von einer kaum beherrschten Frauenfeindlichkeit beseelt zu sein. Seine Ausführungen zum Kopftuch offenbaren eine gespenstische Verehrung der heiligen Maria und eine Verachtung der Hure, aber eben auch eine mythische Betrachtung der muslimischen Kopftuchträgerin und einen tiefen Hass auf die emanzipierte, westliche, selbstbewusste Frau. Da offenbaren sich in Wahrheit Abgründe, und die werden auch wirksam, wenn er seinem Feindbild in Gestalt der türkischstämmigen Kritikerin des Islam, Necla Kelek, dadurch begegnet, dass er tief unter der Gürtellinie ad personam geht und auf deren persönliche herkunftsbedingte Befangenheit abhebt, die er allerdings nicht zu belegen vermag. Bahners scheint mit einem Statusneid gegenüber Kelek zu kämpfen, die, anders als er, eine etablierte Größe auf dem Gebiet der Integrationspolitik ist.

Und es kurz zu machen: Hier liefert ein furchtbarer Journalist ein furchtbares Buch. Bahners erscheint als ein verbitterter und verknispelter Denunziantentyp. Sein Machwerk erinnert an die unzähligen Traktate krypto-kommunistischer Schriften vergangener Jahrzehnte, in denen die Überlegenheit des Kommunismus vermittels unzähliger sogenannter Beweise (weshalb der Kapitalismus unmittelbar vor dem Scheitern stünde) in einer schrecklich piefigen, aber natürlich hochwissenschaftlichen Weise dekretiert wurde.

Das Buch hat Verrisse bekommen und es hat auch einige realitätsverlustig erscheinende Hymnen erhalten. Aber ein Aspekt macht das Buch regelrecht gefährlich: Der Autor bemüht sich darum, den Dialog über das Thema Zuwanderung und Integration im Keim zu ersticken. Die Meinungs- und die Pressefreiheit werden in dem Buch systematisch auf dem Niveau eines leicht infantilen Zensurbeamten nach und nach erwürgt. Missionarisch macht sich der Autor ans Werk, die noch junge öffentliche Diskussion über das Thema Integration abzuschalten.

Anstand, Tugend, Scham, Tabus, Schicklichkeit, Höflichkeit und viele andere nette Vokabeln des anständigen Deutschen wabern durch das Buch und immer ist der Autor zur Stelle, der genau weiß, was Anstand und Pietät sind. Dabei ist Bahners genau der Schreibtischtäter, der andere mit Vokabeln wie "Panikmacher" beleidigt und stigmatisiert. Da muss man die Frage stellen: Wer ist eigentlich dieser Bahners? Was will er? Die Meinungs- und die Pressefreiheit zum Thema Zuwanderung und Integration derart zu verstümmeln kann doch kein Selbstzweck sein.

Das Buch ist eine Bedrohung der wenigen vernehmlichen Kritiker des Islam in Deutschland. Es ist eine Hetzschrift. Und es ist der Versuch einer Entmündigung und Entrechtung der neuerdings auch schon mal "Mob" genannten bürgerlichen Gesellschaft. Indem das Buch jede Kritik der sogenannten aufnehmenden deutschen Gesellschaft an den Zuwanderern muslimischer Provenienz für in der Sache falsch und in der Tendenz für rassistisch erklärt, handelt es sich um ein gleichermaßen primitives wie gefährliches Maulkorb-Pamphlet. Bahners surft auf der bekannten antideutschen Welle, die von meist linken Kreisen, die sich selber für die besseren Deutschen erklären, immer wieder angeschoben wird.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.