Kinostart

Gut geheult ist schon halb gewonnen

Das Drama "Howl" erzählt Literaturgeschichte über Allen Ginsberg. Packend, manchmal verwirrend und vor allem sehenswert ist dieser Film.

Allen Ginsberg - Dichter, Beatnik, Gesellschaftskritiker. Sein Gedicht "Howl" sorgte 1956 für einen Skandal. Mehr als das: Im Jahr darauf beschäftigte das Meisterwerk, immerhin mehrere Seiten lang, in San Francisco ein Gericht. Der Vorwurf: Verbreitung obszönen Schrifttums.

Drogenkonsum, Homosexualität, Verweigerung - Ginsberg knallte dem spießigen Amerika der 50er-Jahre die Tabus nur so um die Ohren. Die Dokumentarfilmer Rob Epstein und Jeffrey Friedman haben nun versucht, der Hysterie um "Howl" nachzuspüren. Dabei nähern sie sich dem Gedicht von mehreren miteinander verflochtenen Seiten. Während Allen Ginsberg, umwerfend gespielt von James Franco, in einer rauchgeschwängerten Beatnik-Kneipe seine erste "Howl"-Lesung hält, wird der "Fall" vor Gericht aufgerollt. Ein ignoranter Staatsanwalt (David Strathairn), ein selbstgefälliger Literaturprofessor (Jeff Daniels), eine ahnungslose Hobbydichterin (Mary-Louise Parker) sowie zwei Intellektuelle (Treat Williams und Alessandro Nivola) - sie alle äußern ihre Meinung.

Nicht sehr geglückt sind die eingestreuten Animationen, die die Worte des Gedichts in Bilder übersetzen - bei Ginsbergs bildhafter Sprache eigentlich überflüssig. Vierter Handlungsstrang ist ein erdachtes Interview, in dem der junge Allen Ginsberg über das Schreiben, Weggefährten und seine langjährige Beziehung mit seinem Lebenspartner Peter Orlosky berichtet. Die Heterogenität der unterschiedlichen Erzählmomente ist ebenso verwirrend und komplex wie interessant und aufregend. "Howl" - kein einfacher Film. Aber ein packender.

++++- Howl - Das Geheul USA 2010, 84 Min., ab 12 J., R: Rob Epstein, Jeffrey Friedman, D: James Franco, David Strathairn, Jeff Daniels, täglich im Abaton, Internet: http://howl.pandorafilm.de

( (mira) )