Menschlich gesehen

Die Spielwütige

Der Aufstieg von Constanze Becker zu einem der größten weiblichen Schauspielstars ihrer Generation hätte um ein Haar gar nicht erst begonnen. Ihre Nöte als Schülerin an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch konnte das Kinopublikum 2004 in Andres Veiels Dokumentarfilm "Die Spielwütigen" verfolgen. Dort war zu sehen, wie die gebürtige Lübeckerin es hasste, vorzusprechen. Nach sechs Monaten riet man ihr aufzuhören. Doch sie gab nicht auf.

Wer sie an diesem Sonnabend als Iokaste und als Antigone im Gastspiel "Ödipus/Antigone" auf der Bühne des Schauspielhauses sieht, hat eine selbstsichere Schauspielerin vor sich, die genau weiß, was sie spielt. Ihre lässige Unbedingtheit brachte ihr 2008 als Jelena Andrejewna in Jürgen Goschs "Onkel Wanja"-Inszenierung, die beim Hamburger Theaterfestival gastierte, den Titel "Schauspielerin des Jahres" in der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" ein.

Lange Zeit haderte die 32-Jährige damit, dass alle in ihr eine Expertin für verschattete Seelen sahen, eine Medea oder eine Lady Macbeth. Warum nicht eine Julia? Allein: Schon als Kind hatte sie sich nie für liebreizende Prinzessinnen interessiert, sondern sich lieber als König Drosselbart verkleidet. 2009 wechselte sie der Liebe wegen vom Deutschen Theater Berlin ans Frankfurter Schauspiel. Die Hamburger kommen in den Genuss einer der ganz großen deutschen Tragödinnen.