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Brust, Keule und Achtung vor den Jahreszeiten

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Martin von Tours entwickelte nur einen Ehrgeiz: die Menschen so zu lieben, wie Jesus Christus es vier Jahrhunderte vor ihm getan hatte. Die Leute verehrten Martin, er sollte ihr Bischof werden, aber er hat das Amt nicht gewollt und sich im Gänsestall versteckt - die Gänse verrieten ihn, weil sie schnatterten, zur Strafe kamen sie in den Ofen, bis heute immer ab 11. November; sie erinnern an Martin, die Katholiken beförderten ihn zum Heiligen.

Der Koch Dieter Hasselwander hat ebenfalls nur einen Ehrgeiz: immer das Beste für die Gäste, auch das ist ja eine Art Liebe. Vor vielen Jahren arbeitete Hasselwander in der Schlachterbörse am Schlachthof, das Restaurant zieht Publikum aus aller Welt - die Bee Gees, beispielsweise, komponierten ihren Hit "Stayin' Alive" als Reaktion auf drei Ochsenkoteletts, gebraten von Dieter Hasselwander.

Sein eigenes Lokal am Stadtpark hat er gerade renoviert, aber als Bürgerstube erhalten, seine Gänse sind Oldenburger Freilandgänse, sie lebten also sehr gerne, diese Daseinslust macht den Geschmack. Der Oberkellner Sven serviert Brust und Keule, dazu Rotkohl, Rosenkohl, Steckrüben (eine Aroma-Rakete!), Preiselbeeren, Kartoffeln oder Klöße, das Festmahl kostet gerechterweise 35 Euro.

Sein Stil heißt Tradition, um Moden hat sich Hasselwander nie gekümmert

Der Gänsewein ist ein Marche Rosso aus den Trauben Cabernet Sauvignon und Sangiovese, 5,50 Euro das Glas (ach, Sven, hol mal die ganze Flasche für 19,50), Karin hinterm Tresen zapft das Köpi und verwaltet die Schnäpse.

Um Moden hat Dieter Hasselwander sich nie gekümmert, sein Stil heißt Tradition, er achtet das Brauchtum und die Jahreszeiten: Im Frühling gibt's Schollen und Spargel, im Sommer kommen Matjes und Pfifferlinge auf die Tische, immer da sind u. a. Hamburger Grützwurst und Pannfisch, der gratinierte Lammrücken und das Wiener Schnitzel, der Steinbeißer und das Pfeffersteak vom Rinderfilet, die Apfelpfannkuchen und die rote Grütze (Hauptgerichte kosten zwischen 12,50 und 29,50 Euro), und wo kriegt der Gast in Hamburg denn noch einen Kopfsalat in Rahm?

Die Kartoffel, egal, wie zubereitet, wird hier von der Beilage zu einer Hauptsache; manche Kenner bestellen sich den warmen Kartoffelsalat als Vorspeise, dann Fleisch mit Bratkartoffeln.

Für das, was dieser Dieter Hasselwander anbietet, kriegt er natürlich keinen Stern von den Michelin-Fritzen, denn seiner Küche fehlen die Künstlichkeiten: Er ist ein Meister der Hamburger Kochhandwerker.

Hasselwander Di-So ab 18.00, Barmbeker Straße 139 (MetroBus 25), T. 48 97 67; Infos im Internet: www.restaurant-hasselwander.de