Theater Lübeck

Falsch gespielt, aber richtig musiziert

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Das Lübecker Theater vollendet mit "Doktor Faustus" den Zyklus "Wagner trifft Mann". John von Düffel hat den Roman für die Bühne adaptiert.

Lübeck. Pit Holzwarths Inszenierung des "Doktor Faustus" sollte nach der gepriesenen "Götterdämmerung"-Premiere dem ehrgeizigen, überregional beachteten "Wagner trifft Mann"-Projekt nun die Krone aufsetzen . Doch der Schauspieldirektor, der mit John von Düffels "Buddenbrooks"-Bearbeitung auch den Zyklus eröffnete, hat mit seinem deutschen Endspiel im Bunker eine wenig glückliche Hand bewiesen.

Holzwarth verschachtelt die verschiedenen Ebenen des ohnehin komplexen Romans miteinander und präsentiert sie auf Hans Brenners Einheitsbühne aus Betonwänden, Treppen, Türen und Fallgruben, in denen zum letalen Finale - wohl in Anspielung auf Walhalls und Deutschlands Untergang - Flammen emporzüngeln. Derlei vordergründiger Zauber mit Feuer, Wasser, Masken und Marionetten belastet die zähe, vom Publikum dennoch bejubelte Aufführung und verspielt die Konzentration auf die Konflikte des gefährdeten Künstlers in gefährlicher Zeit.

Der im Krieg bis 1947 geschriebene Roman erzählt das Leben des Tonsetzers Adrian Leverkühn aus der Sicht seines Freundes Serenus Zeitblom (ein Sinnbild des deutschen Intellektuellen: Götz van Ooyen). Mann stellt Fragen zur Problematik von Genie und Wahnsinn, der Rolle der Kultur in der deutschen Geschichte und zieht Parallelen zwischen künstlerischem und politischem Größenwahn.

John von Düffel konzentriert sich mit seiner Bühnenfassung auf die Spannungspole von Künstlerbiografie und Kriegskatastrophe als Folge eines sich überlegen wähnenden Deutschtums.

Der Regisseur überblendet Erzähl- und Spielszenen wie in einem Gedankenfilm von Zeitblom, was auch die Mehrfachbesetzung der Figuren erklärt, jedoch nicht gerade zur Verständlichkeit der Geschichte über den Teufelspakt und Liebesverzicht zugunsten einer "neuen Musik" beiträgt. Nach der Pause gewinnt sie an Klarheit, auch weil Andreas Hutzel in der Titelrolle seine Exaltationen bremst. Er spielt den kalten, extremen Außenseiter Adrian einfach falsch. Das können auch seine Kollegen mit richtigem Klavier- und Geigenspiel nicht kompensieren.

Doktor Faustus 23.10., 13., .18.11., 19.30, und 31.10., 18.00, Theater Lübeck, Großes Haus, Karten T. 0451/39 96 00; www.theater.luebeck.de

( (-itz) )