Große Freiheit

OneRepublic liefern ein routiniertes Wunschkonzert

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Bei ihrem zweiten Hamburg-Konzert in der Großen Freiheit punkteten die amerikanischen Pop-Rocker von OneRepublic mit ihren Superhits.

Hamburg. Sie ließen ihre Fans genauso lange warten, wie sie sie dann mit ihrer Musik beglückten. Gerade mal eine gute Stunde spielten die fünf Jungs der amerikanischen Band OneRepublic bei ihrem Auftritt in der Großen Freiheit, dem nunmehr zweiten in diesem Jahr in Hamburg. Die Zeit bis zum Haupt-Act hatten die beiden Vorbands Martin and James sowie Scouting for Girls großartig gefüllt und das Publikum rockig-poppig entsprechend eingestimmt.

Was dann folgte, war ein solides Konzert - allerdings mit viel Erwartbarem und wenigen Höhepunkten, verließ sich OneRepublic doch sehr auf die drei Hits, denen die Band ihre Popularität und ihren Wiedererkennungswert zu verdanken hat: "Apologize", "Secrets" und "Marchin' on". Dem überwiegend jungen, weiblichen Publikum schien's zu gefallen.

Und so markierte "Secrets" den Beginn des Hit-Reigens, der Song, der 2009 sogleich zum Nachfolger des Überraschungserfolgs "Apologize" (2007) hochgejubelt wurde. Kein Wunder, Til Schweiger hatte "Secrets" für den Soundtrack der Kinokomödie "Zweiohrküken" erkoren und ihm damit immerhin zu Platz drei in den deutschen Single-Charts verholfen. Für den Vorgänger "Keinohrhasen" hatte OneRepublic bereits "Apologize" zum Soundtrack beigesteuert. Und der Hip-Hopper Timbaland sorgte mit seinem Remix des Songs für den internationalen Durchbruch.

In der ausverkauften Großen Freiheit funktionieren die Hits auch ganz ohne Hip-Hop-Star und schönen Bildern aus Schweigers Filmen. Die Fans gehen mit, sind textsicher und reagieren prompt, wenn Bandleader Ryan Tedder das Mikro in die Massen hält. Bei den ruhigeren Songs strecken sie artig Digitalkameras, Feuerzeuge und Lichtstäbe in die Höhe.

Absolute musikalische Höhepunkte setzt dabei immer wieder und zweifelsfrei der Cellist Brent Kutzle, der auch mal zu Bass und Mikro greift. Kutzle streicht derart entrückt und dabei so kraftvoll auf seinem Instrument, dass er für diverse Gänsehautmomente die persönliche Verantwortung trägt .

Dagegen wirkt Ryan mitunter allzu routiniert, die Zwischenmoderationen extrem einstudiert und wenig enthusiastisch, auch wenn er stets versucht, das Publikum in seine Show einzubeziehen.

Zum Lieblingssong der Band, "Say", der es allerdings 2008 in Deutschland gerade mal auf Rang 41 der Single-Charts schaffte, ruft er den Fans bescheiden, fast unterwürfig zu: "We hope you like it!" Erwartbar. Das Publikum jauchzt trotzdem. Ebenso wie bei "Marchin' On", dem Hit, mit dem das ZDF seine Fußball-WM-Berichterstattung musikalisch unterlegte. Auch bei diesem Song hatte Timbaland tatkräftig mitgemischt.

Doch nach wenigen weiteren Liedern kündigt Ryan auch schon den finalen Titel an, was die Fans ohne Murren zur Kenntnis nehmen, denn die Pop-Rocker lassen sich nicht lange bitten und kehren schon nach kurzem Applaus auf die Bühne zurück - ganz so, als hätten sie einen Zeitplan einzuhalten. Und wieder gibt sich Ryan charmant: "We take requests" - Wunschkonzert. Kurz flirtet er noch mit einem Mädchen aus dem Publikum, fragt nach seinem Namen und stimmt ohne Umschweife "Come Home" an und die Menge kreischt hysterisch. Ebenso begeistert ist das Publikum, als eine Cover-Version von "Stand by Me" folgt. Noch ein Song und dann ist wirklich Schluss.

Die Fans haben offensichtlich nichts anderes erwartet, sie sind zufrieden mit einem Abend, der jedoch mitunter seltsam emotionslos daherkam. Routine eben.