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Warum Hamburgs Plakat-Evita nicht auf der Bühne steht

Evita ist Pop. Schon zu Lebzeiten hat die argentinische Präsidentengattin Eva Perón fleißig an der eigenen Legendenbildung gestrickt. Ob Balkonrede oder Regenbogentour - immer stand sie auf ganz großes Kino. Eine hinterhältige Heilige.

Doch erst durch das 1978 uraufgeführte Singspiel "Evita" wurde die historische Frau zum Dauerabziehbild mit Ohrwurm-Garantie. Über ihren Tod 1952 hinaus avancierte sie via Musical zur Powerikone unter den First Ladys. Evita ist so etwas wie die umgekehrte Madonna. Während der Superstar sich von Hit zu Hit neu erfindet, das Gesicht aber - weitestgehend - dasselbe bleibt, wird Evita durch die Jahrzehnte von wechselnden Schauspielerinnen auf die Bühne gebracht. Die Insignien bleiben jedoch die gleichen: blonder Dutt, heroische Mimik und ganz weit ausgebreitete Arme.

Bei so viel festgezurrter Symbolik macht es auch rein gar nichts aus, dass die Dame, die derzeit flächendeckend den Hamburgern auf Plakaten zum Staatsopern-Gastspiel die Achseln zeigt, überhaupt nicht die aktuelle Besetzung Abigail Jaye ist, sondern lediglich ein Model. Der Grund: Das Plakat soll unabhängig von der Inszenierung für sich stehen. Evita als Sinnbild schlechthin. Pop pur.