Gesungen wurde vom Feinsten, georgelt wurde auf Zeit

Kiel. Das Gastspiel von Philippe Jaroussky im Kieler Schloss beim Schleswig-Holstein Musik Festival stellte die Geduld auf harte Proben. Denn wer Karten für einen der momentan besten jungen Countertenöre hat, um ihn Händel singen zu hören, will wohl nur sehr bedingt mit nicht weniger als drei Orgel- und Harfenkonzerten dieses Komponisten behelligt werden. Die sind vor allem Handwerk, sie sind entbehrliche Gebrauchsarbeiten. Programmheft-Kitt.

Ein Alte-Musik-Spezialist mit so viel leichtläufiger Kondition und Esprit wie Jaroussky, der stundenlange Barock-Opern mühelos durchstehen und -singen kann, singt nur einige mehr oder weniger handelsübliche Händel-Häppchen, weil Jos van Immerseel, Leiter vom Ensemble Anima Eterna Brügge, einige dieser Pausenfüller zum Besten geben soll oder will? Das soll verstehen und mögen, wer mag. Eines der beiden Orgelwerke wurde spontan aufs Continuo-Cembalo verlegt, was das penetrante Spielen auf Zeit aber auch nicht besser machte.

Umso wertvoller und angenehmer waren die Auftritte Jarousskys. Mit der italienischen Sopranistin Roberta Invernizzi hatte er eine Partnerin auf der Bühne des dafür denkbar ungeeigneten Kieler Schlosses, die ihre Sache mehr als nur gut machte. Doch sobald Jaroussky mit ihr duettierte, war sie sofort auf Platz zwei in der Publikumsgunst abgemeldet. Die Affektbrillanz und Spielfreude, mit der die beiden Kostproben aus "Rinaldo", "Ariodante", "Rodelinda" und "Lotario" servierten, machte Appetit auf mehr. Viel mehr. Doch da stand ja van Immerseel mitsamt seiner Orgel im Weg.