Offen gesagt

Eine Orgel kommt selten allein

Ein Lamento von Joachim Mischke

Was ist für einen Kritiker noch mühsamer abzusitzen als ein solide durchgespieltes Orgelkonzert von Händel, das sich in ein Programm mit barocken Bravour-Arien und -Duetten und virtuosen Stimmen verirrt hat? Richtig. Zwei Händel-Orgelkonzerte. Und kommt da noch - wie an diesem Wochenende bei einem SHMF-Abend - das höchstens dekorative Händel-Harfenkonzert dazu, um die Zeit bis zur nächsten Händel-Arie rumzubekommen, dann ist so ziemlich alles zu spät. Dann heißt es tapfer bleiben.

Auch jenseits der regulären Spielzeiten mit ihren viel zu vielen Programmen von der Stange ist es leider kein Problem, von sonderbaren Konzert-Kombinationen in Richtung Sekundenschlaf gelangweilt zu werden. Wo Festival draufsteht, ist beileibe nicht immer Festspielwürdiges drin. Das kann einem in Salzburg genauso passieren wie in irgendeiner Nutzviehscheune in Ostholstein oder Mecklenburg-Vorpommern. Renommee ist leider kein Schutz vor Routine. Wenn Dramaturgen ihre teuer eingekauften Stars auf der Durchreise mit fremdbestimmten 08/15-Programmzetteln durchwinken, anstatt sich eigene Gedanken über Spannung und Inspiration zu machen, müsste das eigentlich Konventionsstrafen zur Folge haben.

Beliebig kann jeder, Beliebiges sollte aber niemand hören müssen. Für einfallsarme Konzertprogramme ist das Leben nun wirklich zu kurz.