Kunst im Nationalsozialismus

Neue Datenbank: Archiv von 43.000 Gemälden im Internet

Foto: Hamburger Kunsthalle / bpk / Hamburger Kunsthalle / bpk/Kunsthalle

Online sollen Informationen über tausende Gemälde für jeden abrufbar sein. Gerade der Kunst aus der Nazi-Zeit kann so aufgespürt werden.

Nürnberg. Die Archivbestände der Münchener Galerie Heinemann, die bis 1939 zu den bedeutendsten Kunsthandlungen der Welt gehörte, sind von diesem Donnerstag, 29. Juli, an im Internet abrufbar. Informationen zu rund 43.000 Gemälden aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind in der Datenbank erfasst. Experten erhoffen sich dadurch neue Recherche-Möglichkeiten, da die Herkunft vieler Kunstwerke, die z.B. im Nationalsozialismus zwangsveräußert wurden, im Dunkeln liegt.

Das Deutsche Kunstarchiv, das im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg angesiedelt ist, besitzt die Geschäftsbücher und Karteikarten der Galerie Heinemann. Diese wurden nun digitalisiert und zur kostenlosen Recherche ins Internet gestellt. "Die Erforschung der Herkunftsgeschichte eines Kunstwerks ist für jedes Museum wichtig", erklärte der Direktor des Germanischen Nationalmuseums Ulrich Großmann. Gerade bei Kunstgegenständen, die in der NS-Zeit erworben worden seien, müsse recherchiert werden, ob dies „seriös“ abgelaufen sei.

Recherchieren lassen sich Informationen zu allen Gemälden, die der Galerie angeboten wurden, die sie kaufte und wiederverkaufte oder die sie in Kommission nahm. Kauf- und Verkaufspreise, Käufer, Verkäufer und weitere Handelsdaten lassen Rückschlüsse auf die Herkunftsgeschichte der Gemälde zu. In der Datenbank sind auch etwa 13.000 Museen, Kunstsammler, Händler und Privatpersonen verzeichnet.

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Die Galerie Heinemann wurde 1872 in München von David Heinemann gegründet und baute zahlreiche internationale Niederlassungen und Verbindungen auf. Spezialisiert hatte sich das Haus auf deutsche Kunst des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, wie Birgit Jooss, Leiterin des Deutschen Kunstarchivs, berichtete. Heinemann und seine Familie handelten unter anderem mit Werken von Franz von Lenbach, Carl Spitzweg oder Max Liebermann. Zur Kundschaft des Hauses zählten auch zahlreiche Juden, die von 1933 an verfolgt wurden. Im Zuge der Zwangsarisierung jüdischer Geschäfte 1938 verlor die Familie ihre Galerie und wanderte in die USA aus. Fritz Heinemann, der Enkel des Firmengründers, kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach München zurück und erhielt später die Geschäftsunterlagen der Galerie zurück. 1974 übergab er sie an das Deutsche Kunstarchiv.

Ab Donnerstag, 29. Juli steht das Archiv unter http://heinemann.gnm.de/ zur Verfügung.