Hamburgs Kunstszene

"Butter bei die Fische": Drei Galerien in Hafennähe

Foto: Juergen Joost

Spannende Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst: Drei Galerien präsentierten Werke verschiedener Künstler.

Hamburg. Mit Butterkuchen geht's los. Passt ja auch trefflich zum Motto "Butter bei die Fische" . Touristen und versprengte Schlager-Move-Teilnehmer drängen sich durch die Menschentraube vor Feinkunst Krüger in der Dietmar-Koel-Straße, die immer neue Berge des leckeren Gebäcks abarbeitet. Etwa 90 Kunstfreunde haben sich vor der Galerie im Portugiesenviertel versammelt, um nach dieser ersten kulinarischen Stärkung auf kleine Fahrt zu gehen, drei Galerien in Hafennähe zu besuchen und dem dröhnenden Wahnsinn der Schlagerparade ein paar Straßen weiter zu entfliehen.

Kunst gibt es an dieser ersten Station natürlich auch zu begutachten. Galerist Ralf Krüger zeigt in seinen Räumen bis zum 31. Juli Fotocollagen von Nikolas Tantsoukes. Der in Berlin lebende Künstler zeigt neben einigen älteren Arbeiten seine neue Serie "Ab in die Berge", verstörende Traumlandschaften und dunkle Porträts, die von Collagenkünstlern der 20er-Jahre wie Hannah Höch, John Heartfield und George Grosz beeinflusst sind.

Während Krügers Galerie mitten in einer belebten Straße liegt, ist die nächste Station deutlich schwerer auffindbar. "Laufkundschaft haben wir hier natürlich nicht", sagt Christopher Müller, der die Galerie Oel-Früh zusammen mit zwei Freunden betreibt. Pannfisch mit selbstgemachtem Kartoffelsalat wird den Kunstinteressierten hier am Brandshofer Deich 45 in Rothenburgsort serviert. Übertönt werden die Gespräche im Vorhof der Galerie nur von dem mächtigen Gedröhn von Bohrmaschinen. Was sich nach harter Arbeit anhört, geschieht ohne Menschenhand und ist Teil der laufenden Ausstellung bei Oel-Früh. Vier Bohrmaschinen klettern an einer Wand hoch und perforieren sie mit Löchern. "Robotpartner 3 – Drillbot" heißt die Installation, die Stefan Doepner und Lars Vaupel entwickelt haben. Die beiden Künstler haben noch mehr putzige roboterhafte Kunstwerke konstruiert wie eine Kaffeetasse, in der sich ein Löffel unaufhörlich dreht oder eine Spinne, die mit zwei Edding-Stiften ein großes Blatt Papier bemalt.

Genau wie die Galerie Oel-Früh liegt auch die tinderbox ab vom Schuss. Diane Kruse und Birte Theiler betreiben die 260 Quadratmeter große Galerie am Billwerder Neuen Deich 72 mit Blick auf die Entenwerder Halbinsel. "Wir waren von Anfang an bei 'Butter bei die Fische' dabei, um etwas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen", sagt Diane Kruse. Seit dreieinhalb Jahren zeigt sie im Havex-Haus junge und internationale Kunst. Zur Zeit läuft bei ihr "Tomorrowland" mit Arbeiten von Marc Bijl und Silke Koch. Der Holländer Bijl beschäftigt sich mit der Bedeutung von Symbolen und Logos. In der tinderbox hängt zum Beispiel ein Peace-Zeichen, das mit Gas in Brand gesetzt werden kann und einige Butterfahrer erschreckte, als es sich mit einem lauten Knall entzündete. Die aus Leipzig stammende Silke Koch zeigt Fotos aus ihrer Serie "New Leipzig" und "After Gravity's Rainbow". Aus Vasenteilen hat sie eine Installation mit 13 Raketen gebaut, die das absurde Wettrüsten zwischen Ost und West mit Humor kommentieren. Die Vasen-Raketen sind nur ein Beispiel für spannende Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst an Orten, die mehr ins Bewusstsein gerückt werden sollen. "Hamburgs Kunstszene hat eine Menge Potenzial, aber es wird nicht ausgeschöpft", kommentiert Diane Kruse. "Butter bei die Fische" hat immerhin einen kleinen Beitrag dazu geleistet, Interesse zu wecken.

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