Missbrauchsskandal

Kritikpreis „Verschlossene Auster" für katholische Kirche

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/dpa

Die Kirche folgt Aldi und den deutschen Banken als Negativ-Preisträger. Journalisten kritisieren damit mangelnde Transparenz.

Hamburg. Die katholische Kirche erhält wegen mangelnder Offenheit gegenüber der Presse in der Missbrauchsaffäre den Kritikpreis „Verschlossene Auster“. Die unabhängige Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ verlieh die Skulptur am Sonnabend bei ihrer Jahrestagung in Hamburg stellvertretend an die Deutsche Bischofskonferenz. Die Kirche respektiere den Anspruch der Öffentlichkeit auf frühzeitige und vollständige Informationen nicht und widerspreche damit eigenen Wertevorgaben nach Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, erklärte die Jury. Für die Bischofskonferenz nahm deren Sprecher Matthias Kopp die „Auszeichnung“ entgegen, die zum neunten Mal verliehen wurde. Nur die wenigsten „Ausgezeichneten“ holen die Skulptur persönlich bei der Veranstaltung ab. Die Journalisten bemängelten die Bereitschaft der Kirche an der Aufklärung der Missbrauchsfälle: „Es wurde vertuscht, verleugnet und verheimlicht.“

Die Vereinigung vergibt ihren Preis an Menschen oder Organisationen, die sich weigern, Journalisten Auskünfte zu erteilen. In früheren Jahren waren der Lebensmittelkonzern Aldi und in der Finanzkrise 2009 der Bundesverband Deutscher Banken Preisträger. Der Sprecher der Bischofskonferenz räumte ein, dass es in der kirchlichen Kommunikationsarbeit Verbesserungsbedarf gebe.

„Ja, wir haben als katholische Kirche die größte Krise seit 1945. Ja, wir haben uns zu lange vor die Täter gestellt und nicht auf die Opfer geschaut. Ja, wir haben Kommunikationsfehler gemacht“, resümierte Kopp. Den Bischöfen sei aber klar geworden, dass sie sich drängenden Fragen stellen müssten. Eine Kirche, die den Menschen nahe sein wolle, könne sich nicht verschließen, sagte Kopp. Im Umgang miteinander, erwarte die Kirche von den Medien aber auch „Fairness“.

Der katholischen Kirche las Laudator Heribert Prantl, Leiter der Innenpolitik der „Süddeutschen Zeitung“, die Leviten. „Eine Gemeinschaft, die vom Wort lebt wie keine andere, hat die Sprache verloren. Sie ist sprach- und sprechunfähig geworden, nicht nur, aber vor allem, wenn es um ihr Verhältnis zur Sexualität geht“, sagte Prantl. Wenn es so viele Tabus wie Zölibat, Verhütung und katholische Sexuallehre gebe, „gibt es keine Wahrhaftigkeit mehr“, meinte der Journalist. Die Kirche schade sich am meisten selbst, wenn sie sich der Diskussion verschließe und versperre.