Vernissage am 30.06.

Das Gedächtnis der Kamera in der Hansestadt

Foto: Béatrice Klein / Béatrice Klein/Galerie Hilaneh von Kories

Béatrice Kleins rumänische Spurensuche in der Galerie Hilaneh von Kories

Hamburg. Eine Fotografin geht auf Heimatbesuch. 17 Jahre lang war Béatrice Klein nicht mehr in Rumänien gewesen, dem Land, in dem sie 1977 auf die Welt kam. Oradea heißt die Großstadt an der ungarischen Grenze, in der sie ihre ersten fünf Lebensjahre verbrachte, ehe sie mit den Eltern über Israel 1984 nach Deutschland kam. Die Familie ihrer Mutter stammt aus Hemeiusi, einem Dorf in Moldavia, am anderen Ende Rumäniens. Als Béatrice noch ein Kind war, fuhren sie öfter hin, auch später, als sie schon in Deutschland wohnten. Eine Tante lebt noch immer dort.

2006 reiste Béatrice Klein erstmals allein in das Land ihrer Kindheit. In Dortmund hatte sie Fotodesign studiert, inzwischen arbeitet sie als freie Fotografin in Hamburg. Natürlich nahm sie ihre Kamera mit. Die Ergebnisse ihrer fotografischen Spurensuche sollten nicht verbergen, dass sie sich nur noch schemenhaft erinnert - deshalb sehen die Bilder verwischt aus, dunkel, geheimnisvoll, scheinbar unvollständig. Und zwangsläufig glich Klein das im Gedächtnis rudimentär Gespeicherte mit dem Vorgefundenen ab. "De unde vin / Woher ich komme" heißt ihre formal schlüssige Fotoarbeit, die Hilaneh von Kories jetzt zum Auftakt einer neuen, "Next Generation" genannten Reihe in ihrer Galerie zeigt.

Die Sujets suggerieren ein dokumentarisches Interesse, doch Kleins Blick ist radikal subjektiv. Die mit der analogen Mittelformatkamera Zenza Bronica gemachten Fotografien zeigen dörfliche Szenen, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Béatrice Klein verbrachte vier Wochen im Winter im Haus ihrer Tante. In Hemeiusi muss man das Wasser aus dem Brunnen ziehen, geheizt wird mit Holz. Ihre Bilder zeigen gegen die Kälte vermummte Nachbarn, Menschen in einfachsten Verhältnissen. "Ich wollte sehen, wie sie leben - wie mein Leben möglicherweise ausgesehen hätte", sagt Béatrice Klein. "Ich entdeckte eine Welt, die ich zwar nicht kenne, die aber irgendwie zu mir gehört und in mir verwurzelt ist." In der Ausstellung sind 25 auf Alu-Dibond aufgezogene Lambda-C-Prints zu sehen.

De unde vin / Woher ich komme 30.6. 19.00 (Vernissage; Ausstellung bis 16.9.), Galerie Hilaneh von Kories (Bus 3), Stresemannstraße 384a (im Hof) 22761 Hamburg. Geöffnet Di-Fr 14.00-19.00, Telefon 423 20 10