Anzeigen wegen Volksverhetzung gegen "Weltwoche"

Hamburg. Gegen die Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche" wird wegen einer Titelgeschichte über angeblich kriminelle Roma der Vorwurf der Volksverhetzung erhoben. Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und Österreich wurde Anzeige gegen das Blatt von Chefredakteur Roger Köppel erstattet. In der Schweiz befasst sich mittlerweile die staatliche Eidgenössische Kommission gegen Rassismus mit dem Fall.

Stein des Anstoßes ist der Titel der aktuellen Ausgabe. Auf ihm ist ein kleines Roma-Kind zu sehen, das mit einer Pistole auf den Betrachter zu zielen scheint. Darunter ist in großen Lettern zu lesen: "Die Roma kommen: Raubzüge in die Schweiz". Und etwas kleiner: "Familienbetriebe des Verbrechens".

Das Titelbild steht offenbar in keinerlei Zusammenhang mit der Schlagzeile. Weder wurde es in der Schweiz aufgenommen, noch zeigt es einen Kriminellen. Das Foto stammt vielmehr aus einer Serie des italienischen Fotografen Livio Mancini, die 2008 auf einer Mülldeponie nahe der kosovarischen Stadt Gjakova entstand. Hier leben völlig veramte Roma-Familien, deren Kinder in giftigem Abfall spielen. Mancini sagt, er lasse seine Bilder über eine Agentur vertreiben. Er habe keine Kontrolle darüber, in welchem Zusammenhang sie verwendet würden.

Der stellvertretende "Weltwoche"-Chefredakteur Philipp Gut, einer der Autoren des Roma-Stücks, sagt, das Foto symbolisiere "den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen". Der eigentliche Skandal sei, dass sich keiner der "Empörten" gegen diesen Missbrauch ausgesprochen habe.

( (khr) )