Konzert in der Großen Freiheit 36

Casper: Der Leitwolf und sein Rudel

| Lesedauer: 2 Minuten
Christian Dittloff

Rock-Hip-Hop für die, die dagegen sind: Casper spielte am Wochenende zweimal in der ausverkauften, begeisterten Großen Freiheit 36.

Hamburg. Mit Wolfsmasken betreten Casper und seine Musiker am Sonnabend die Bühne, aus ihren Augen schießen Lichtstrahlen ins Publikum. So als wolle da jemand sagen: "Ja, ich sehe euch, wir sind alle eins."

Mittlerweile sind im Pop ohnehin alle für die, die "dagegen" sind. Und so sind die beiden Casper-Konzerte am Wochenende in der Großen Freiheit 36 restlos ausverkauft, ebenso die beiden Konzerte der Lokalhelden Kettcar am Dienstag und Mittwoch. Als Vorgruppe für Casper konnte spontan Kraftklub gewonnen werden, eine Band, die mit ihrem lauten und schnellen Deutsch-Pop 2.0 die Charts stürmt und mit Songs wie "Randale" (wie Deichkinds "Krawall und Remmidemmi" ein lustig antiquiertes Wort für destruktiven Spaß) ein tosendes Set spielt. Auf Caspers "Der Druck steigt"-Tour geht es um "die Vergessenen" und die betrogenen Kids ohne Perspektive, wie besonders die ersten beiden Stücke seines letztjährigen Erfolgsalbums "XOXO" verdeutlichen - diese Stücke machen den Auftakt.

Schnell reißt das junge Publikum die Arme hoch, und "der ganze Scheiß-Laden" (Casper) springt durcheinander zu Caspers rockinfiziertem Indie-Rap. Hip-Hopper und Indie-Kids, Metal-Jungs und Pop-Tussen fliegen sich in die Arme und bilden ein sympathisches Durcheinander wie Caspers Musik.

+++ Casper, der Rapper mit dem aufmerksamen und klaren Blick +++

Der Künstler agiert derweil ebenso agil, rast im Band-uniformen "Mit Verachtung"-T-Shirt über die Bühne, bewegt seinen Oberkörper kraftvoll auf und ab und zieht immer wieder seine schwarze Skinny-Jeans zurecht. Manchmal verliert er sich in Punkplattitüden wie "Hey! Ho! Let's Go!", aber schafft es doch mit klarem Sound, seine Lieder vom Scheitern und Kämpfen spürbar zu machen. "Michael X" und "Alaska" sind langsam, laut und intensiv, "Unzerbrechlich" wird mit stolzen Gesten und ernstem Blick mitgesungen. Bei "Hin zur Sonne" begibt sich der 29-Jährige selbst in die Menge: Die Fans umschwirren ihn wie die Motten das Licht - ein treues Rudel.

Beim letzten Song "So perfekt" tanzen alle: Kraftklub, Casper, 1500 Fans und Marteria, der aus Berlin angereist ist, um seinen Gast-Rap-Part zu übernehmen. Am Sonntag spielt er mit seinem Kiffer-Rap-Alter-Ego Marsimoto ebenfalls hier - noch so einer.