Uebel & Gefährlich

Max Prosa verpasst dem Bunker "Flügel aus Beton"

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Tino Lange

Prosas Folk- und Country-Kompositionen klingen auf dem Album noch zwingender und ausbalancierter als live im Feldstraßen-Club.

Hamburg. Nur wenige Monate und einen Sieg bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" brauchte der Berliner Songschreiber Tim Bendzko , um sich vom Stage Club über die Fabrik bis in den Stadtpark hochzuarbeiten. Und jetzt schickt sich Max Prosa, 22 Jahre jung und ebenfalls aus Berlin, an, es ihm gleichzutun. Erst vor drei Wochen wurde sein Debütalbum "Die Fantasie wird siegen" veröffentlicht, aber das erste Konzert in Hamburg am Sonntag musste schon vom Turmzimmer in den großen Ballsaal des Uebel & Gefährlich verlegt werden.

Der erste Eindruck, den die 700 Besucher von Max Prosa bekommen, ist ein dünner Junge mit wehender Mähne, Gitarre, später auch Mundharmonika. Wie der junge Dylan oder auch "Bob, der alte Riese", wie Max Prosa den Meister nennt. Natürlich verbietet sich eigentlich jeder Vergleich mit "His Bobness", aber auch Prosa geht sowohl textlich als auch stimmlich gern mal kürzere, mal längere Umwege, um zum Ziel zu kommen: "Wir machten Rast, in den Ruinen eines Palastes, ich mal einen Plan für die Ewigkeit mit Kreide auf dein Kleid" sind Teile seiner "Visionen von Marie". Aha.

Nicht immer kann man Prosas Lyrik folgen, auch weil der Sound von Sänger und Band "Flügel aus Beton" hat. Oft übertönen Flaschengeklapper, das Knarzen des Saalfußbodens oder gar das schmatzende Geschlabber eines knutschenden Pärchens Momente wie den großartigen Liebeskummerabschied "Als der Sturm vorbei war" oder das neue Stück "Der Clown". Auch klingen Prosas Liedermacher-, Folk- und Country-Kompositionen auf dem Album noch zwingender und ausbalancierter als live im Feldstraßen-Bunker. Aber es ist Prosas erste Tour, jeder Abend wird für den Newcomer, der bis zur vierten Zugabe ("Bis nach Haus") schon erstaunliche 100 Minuten Programm bietet, ein Gewinn sein.