Kinostart: 16. Februar

Extrem laut & unglaublich nah: Spurensuche als Trauerarbeit

Stephen Daldrys 9/11-Drama "Extrem laut & unglaublich nah" ist sehenswert

Angesichts der ungeheuren emotionalen und politischen Wucht, die die Ereignisse des 11. September 2001 bis heute haben, ist es schon erstaunlich, dass es das Thema bislang so selten auf die Kinoleinwand geschafft hat. Und noch viel seltener in sehenswerter Qualität. Doch nun kommt Stephen Daldry ("Billy Eliott") und bedient sich mit Jonathan Safran Foers Bestseller "Extrem laut & unglaublich nah" einer Vorlage, die ob ihres ausufernden Erzählstils als unverfilmbar galt.

Unverfilmbar, das stellt sich schnell heraus, ist Foers Buch nicht - allerdings musste radikal gekürzt und vereinfacht werden, damit sich auch auf der Leinwand das Drama des elfjährigen Oskar (Thomas Horn) entfalten kann, der seinen Vater (Tom Hanks) bei den Anschlägen auf das World Trade Center verloren hat. Im Nachlass des Verstorbenen findet der Junge einen Umschlag mit dem Namen "Black", der einen Schlüssel enthält. Oskar vermutet, dass sein Vater ihm eine letzte Botschaft hinterlassen hat und macht sich daran, die 472 Blacks in New York aufzusuchen, um das passende Schloss zu finden. Dabei begegnet er u. a. einem stummen alten Mann (Max von Sydow), der ihn auf seinem Trip durch die Stadt begleitet.

Tom Hanks und Sandra Bullock (als Oskars Mutter) erden diesen Film mit ihren so vertrauten Allerweltsgesichtern und geben dem Zuschauer Halt, was Daldry wohl nötig erschien angesichts der immer noch nicht verheilten Wunden in der amerikanischen Psyche. Und angesichts eines Hauptdarstellers, der als von den Ereignissen traumatisierter Einzelgänger mit seiner geradezu zwanghaften Suche bisweilen Beklemmung auslöst.

"Extrem laut & unglaublich nah" ist stark gespielt, routiniert inszeniert und einer der besseren 9/11-Filme - trotz der allzu geradlinigen Auflösung und eines Soundtracks, der immer wieder zum Angriff auf die Tränendrüsen bläst.

Bewertung: empfehlenswert

"Extrem laut & unglaublich nah" USA 2012, 129 Min., ab 12 J., R: Stephen Daldry, D: Thomas Horn, tägl. Abaton (OmU) Passage, Studio-Kino, UCI Mundsburg; www.extremlautundunglaublichnah.de