Laeiszhalle

Konzert in Hamburg: La Bartoli kam, sang und siegte

Foto: Marcelo Hernandez

Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli wurde für ihren Auftritt mit barocken Kastratenarien in der Laeiszhalle in Hamburg gefeiert.

Hamburg. Es war großes, prächtiges, gefühlsgeladenes Opern-Theater, aber ganz ohne Bühnenbild. Nur mit der Imaginationskraft einer Stimme, die Koloraturen abspulen und Farbnuancen abstufen kann, als gäbe es nichts Einfacheres. Es war ein Programm voller erlesener vokaler Kunst-Stücke, das Cecilia Bartoli vor einem euphorischen Publikum am Montag in der Hamburger Laeiszhalle mit rasanter Perfektion und aufrichtigem Ernst ablieferte.

Der erste Auftritt war die reine Show, mit Musketier-Umhang, Dreispitz und Rüschenhemd, nur der Degen fehlte noch. Später kommen noch diverse Um- und Anbauten am Kostüm dazu, um die barocken Arien zu dekorieren, mit denen die temperamentvolle Italienerin ein handverlesenes Sortiment hochvirtuoser Arien präsentierte, die Kastraten auf die Hochleistungs-Stimmbänder geschrieben wurden. Doch auch das war nur Mittel zum Zweck: ihrem Publikum vor Ohren zu führen, wie viel Brillantes und Hinreißendes es im Repertoire des frühen 18. Jahrhunderts zu entdecken gibt. Himmelhoch tirilierend und zu Tode betrübt - diese Ausnahmesängerin genoss das Wechselbad barocker Gefühle und Affekte und kostete deren Gestaltungsmöglichkeiten voll aus.

BARTOLI ERHÄLT HÄNDEL-PREIS

Während beim begleitenden „Orchestra La Scintilla“, ein passabler Ersatz für „Il Giardino Armonico“, gegen Ende des langen Programms schon erste Ermüdungserscheinungen zu hören waren, schien der Star des Abends nach ihren zwei Zugaben alles andere als erschöpft.