Menschlich gesehen

Gräfin auf Abwegen

Adel verpflichtet? Die geborene Gräfin Victoria Trauttmansdorff aus alter Wiener Fürstenfamilie hält nichts davon. Sie wurde Schauspielerin. Und hat auf der Bühne und im Film ironischerweise mit Frauenfiguren Erfolg, die ohne Anstand, aus der Art geschlagen oder total neben der Spur sind. In der "Bloch"-Reihe der ARD brilliert sie heute Abend als Stalkerin.

"Ich verwirkliche den Traum meiner Mutter vom Theater", sagt sie. Die holländische Diplomatentochter musste wegen ihrer Adelsheirat auf die "anrüchige Profession" verzichten. Tochter Victoria, Jahrgang 1960, wuchs im Schatten des Belvedere im dritten Wiener Bezirk auf, ging zur französischen Schule und studierte Schauspiel am Salzburger "Mozarteum". Jürgen Flimm holte sie 1993 ans Thalia-Theater.

Eine glückliche Fügung. Dort arbeitete der Regisseur und Schauspieler Wolf-Dietrich Sprenger. In den Komiker hatte sich Trauttmansdorff schon vorher verliebt - als er in Stuttgart mit ihr "Kasimir und Karoline" inszenierte. Sie heirateten vier Wochen später. Heute lebt sie mit ihrem Mann und den Töchtern Hanna (16) und Charlotte (19) auf der Uhlenhorst.

Vor allem bei ihren langen Alster-Spaziergängen wandelte sich die Wienerin zur begeisterten Wahlhamburgerin. Nur der Tonfall ihrer Sprache erinnert noch an die aristokratischen Figuren aus den Dramen Hugo von Hofmannsthals.