Allee-Theater

Rambazamba in der Wolfsschlucht

Foto: Joachim Flügel

Im Allee-Theater gab es ein Wiedersehen mit einer großartigen Inszenierung des "Freischütz", der Oper, die Carl Maria von Weber 1821schrieb.

Hamburg. Der Jubel war groß, wie es sich bei einer gelungenen Premiere gehört. Stammgäste im Allee-Theater an der Max-Brauer-Allee - und von ihnen gibt es viele - wissen natürlich, dass nicht alles neu war bei diesem "Freischütz". Die Idee, die Bühne längsseits im kleinen Zuschauerraum und die Zuschauer drum herum auf drei Seiten zu postieren, hatte sich vor zehn Jahren bereits Pavel Bilek ausgedacht - so hat man Auge und Ohr noch dichter dran.

Neu aufgesetzt hat Regisseurin Rebecca Stenzel die Handlung um den fatalen Probeschuss, der für den Jägerburschen Max vor der Eheschließung mit der Erbförsterstochter Agathe zum Verhängnis wird. Die Inszenierung macht Max' Versagensängste zu Netzen, die ihn mehr und mehr fesseln, und zum Dreh- und Angelpunkt des Kampfs von dumpfer Ahnung böser Mächte gegen den kindlich reinen Glauben, der in Carl Maria von Webers Oper aus dem Jahr 1821 abläuft. Das Übersinnliche, Geister, Gespenster und der finstere Samiel - das alles taucht beim Gießen der Freikugel auf - großes Rambazamba in der mitternächtlichen Wolfsschlucht! Da rauscht dann sogar minutenlang ein echter Wasserfall auf die Bühne.

Die Geister sind aber vor allem eine Ausgeburt von Max' Verwirrung und Verzweiflung und seiner Verstrickungen in die Einflüsterungen des Teufelsknechts Kaspar. Am Ende trifft die siebente Freikugel die eigene Braut, und während sie tot daliegt, verfällt Max endgültig dem Wahnsinn; er hält eine zweite Agathe im Arm und tanzt mit ihr ins mentale Nichts. Für ihn kommt die Abschaffung des Probeschusses zu spät.

Die Sängerdarsteller agieren durchweg auf hohem Niveau und finden auch als Ensemble überzeugend zusammen. Der Max von Keith Boldt bringt tenorale Strahlkraft mit (zu hören trotz der Erkältungsreste am Premierenabend); seiner zauberhaften Agathe (Nadja Klitzke) fehlte hin und wieder die Stütze, um auch längere Spannungsbögen zu halten. Das macht Esther Puzak als quirliges Ännchen mit erstaunlicher Sicherheit und Spielfreude ebenso wett wie der kräftige Bass von Kaspar (Ryszard Kalus).

Das achtköpfige Mini-Orchester leitete Fabian Dobler mit großem Einsatz - immer wieder erstaunlich, wie gut in den Arrangements der Kern der Musik erhalten werden kann.

Wer das Allee-Theater schon kennt, freut sich in diesem "Freischütz" über ein Wiedersehen mit einer großartigen Inszenierung. Wer zum ersten Mal hingeht, sollte sich vorsehen: Die Nähe zum Bühnengeschehen und das intime Ambiente dieses wunderbaren kleinen Opernhauses können süchtig machen!

Der Freischütz Allee-Theater, Max-Brauer-Allee 76. Weitere Vorstellungen: In den nächsten beiden Wochen Mi, Fr/Sa jeweils 20.00, So, 19.00, danach auch Do, 20.00. Karten unter T. 040/38 29 59

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