Abendblatt-Bibliothek, Band 17: Ralph Giordano

Karaseks Kritik

Die Familie stammt aus Italien. Wo ein sizilianischer Junge dem Elend seiner Herkunft entflieht, Musiker werden möchte und am Ende Schneider wird. In Hamburgs Straßen eine heimatlose Schwedin zu seiner Frau macht, die ihm den Sohn Alf schenkt. Alf Bertini.

Der andere Großvater ist ein jüdischer Kurzwarenverkäufer und Vertreter, der weit in den Osten Europas reist, dort Pogrome erlebt, dem eine Tochter von seiner Frau Kezia geboren wird, Recha, deren uneheliche Tochter wiederum Lea heißt. Sie wird Alf Bertini heiraten.

Das ist die wechselvolle Geschichte einer Familie zwischen 1875 und 1933, die in Hamburg mit ihren Juden, Halbjudenkindern, versippten Verwandten die Zeit des Rassenwahns der Nazis erlebt.

Schließlich spitzt sich die Lage schrecklich, überraschend und tödlich zu, landet in einer Art Vorhof der Hölle. Denn als die schwangere Lea (sie ist 47, als sie wieder ein Kind erwartet) deportiert werden soll, geht die Familie in ein Rattenloch, wo sie in dumpfer Enge dauernd Angst vor dem schrecklichen Ende und der ihm vorausgehenden Deportation hat.

Es sind nur wenige Monate, Wochen, Tage, die die Familie dort überstehen muss. Die Russen stehen schon vor Berlin, die Amis in Bremen. Aber die Mordmaschine der Nazis funktioniert bis zur allerletzten Minute.

Giordanos autobiografisch geprägte Familienchronik spielt in der Zeit, als Hamburg scheinbar endgültig in Schutt und Asche versinkt - bis die Verfolgten aus den Trümmern steigen!