Laeiszhalle: Ensemble Resonanz lief zur Hochform auf

Mozart mit Kohlensäure

Hamburg. Noch den Schlussapplaus organisiert das Ensemble Resonanz erfrischend anders. Nach dem Konzert bleiben die Musiker nicht sitzen, bis das Publikum der Garderobe zustrebt. Wie eine Rockband räumen sie schnell die Bühne, wie Schauspieler im Theater kehren sie zurück: die Bassgruppe zuerst, dann die zweiten Geigen, danach Bläser, Bratschen und erste Geigen. Gemeinsam stellen sie sich vorn am Bühnenrand in einer langen Reihe auf und genießen sichtlich den Jubel, den ihr Programm "Mozart in Italien" im Großen Saal der Laeiszhalle entfachte.

In gewohnt kluger Dramaturgie mischte das Ensemble Epochen und Klangwelten. Auf ein leidenschaftlich und trennscharf gespieltes Concerto grosso des Barockmeisters Locatelli mit der berückend schön gespielten, vibratoarmen und affektreichen Solovioline von Juditha Haeberlin folgte eine wunderbar transparente "Musica piccola notturna" für Oktettbesetzung von Luigi Dallapiccola von 1956. Musik voller Geheimnis, leicht, mit einem überaus fein artikulierenden Marco Thomas an der Klarinette. Volker Tessmann war der vorzügliche Solist bei Mozarts Fagottkonzert; dem tendenziell Frömmlerischen im Klang des Instruments gab er etwas raffiniert Erotisches.

Für "The Nameless City" von Fausto Romitelli besetzten jeweils fünf Streicher die Mittelplätze im ersten Rang links und rechts, fünf blieben auf der Bühne. Die Stimmung der Instrumente auf den Balkonen wich um einen Sechstelton nach oben und nach unten vom Kammerton ab - ein auskomponierter Doppler-Effekt, der vor allem die Zuhörer in der Saalmitte an eine virtuelle Straßenkreuzung versetzte, bei der die Sirenen vorüberfahrender Ambulanzen je nach Entfernung und Fahrtrichtung scheinbar ihre Tonhöhe ändern. Faszinierendes, subtiles Trompe l'oreille. Christoph Ahlstaedt koordinierte die Solisten uneitel und wahrhaft rücksichtsvoll. In den Notentext von Mozarts Sinfonie Nr. 29 A-Dur pressten die Musiker Energie und Lebendigkeit wie der Siphon Kohlensäure in stilles Wasser. Wann klang Mozart in dieser Stadt zuletzt so spritzig, hellwach und facettenreich? Wir flüstern es mal ganz bescheiden durchs Tor zur Welt hinaus: Das Ensemble Resonanz ist Weltklasse.